Erotik - BDSM - Leidenschaft - Hingabe

 Schmerzhafte Rückkehr

 

 

Zitat der Schriftstellerin Eva Ibbotson:

 

„Es ist immer ein Fehler, zurückkehren zu wollen – aber an einen Ort zurückzukehren, an dem man vollkommen glücklich gewesen war, ist eine wahre Torheit!“

 

 Diese Aussage brachte Dominiques Empfinden auf den Punkt. Es war ein Jahr vergangen, seit­dem sie das letzte Mal den Landsitz von Sir Baxter betreten hatte. Nichts hatte sich seitdem verändert. Es war, als wäre die Zeit stehen geblie­ben. Dasselbe triste, ungemütliche November­wetter und dieselben kahlen Bäume, die um diese Jahreszeit jegliche Farbe verloren hatten. Die letzten goldgelben Blätter flogen durch die Luft, fielen lautlos zu Boden und wurden durch den Sturm hin und her gewirbelt.

 

Der Wind wehte durch ihre schwarzen Haare und einzelne Strähnen bedeckten in wechselnden Bewegungen ihr blasses Gesicht. Manchmal blieb jedoch eine hängen und verfing sich in den Tränen, die ihr die Wangen herunterliefen. Obwohl sie einen warmen Mantel trug, fror sie.

 

Dominique schritt näher an das verschlossene Eisentor heran und ließ den Blick umher­schweifen. Am Rande der Auffahrt türmte sich der Baumschnitt in gleichmäßigem Abstand und großen Haufen. Die Gärtner hatten das Grund­stück wie in den vergangenen Jahren für den nahenden Winter vorbereitet. Dominique seufzte und fragte sich, wer diese in diesem Jahr bestellt hatte. Es war ihre Aufgabe gewesen, dafür zu sorgen, dass alle Arbeiten vor Einbruch des ersten Frosts abgeschlossen waren. Obwohl es sich lediglich um abgeschnittene Äste handelte, schmerzte dieser Anblick. Er war ein Symbol dafür, dass das Leben auf dem Landsitz von Sir Baxter auch ohne sie weiterging.

 

Ihre Hände tief in den Manteltaschen vergra­ben, stand sie regungslos da. Das alte Haus lag im Dunkeln, kein Licht erhellte die Fenster, um Leben zu signalisieren. Es wirkte wie ausge­storben. Ihr war bekannt, dass, nachdem ihr Herr sie weggeschickt hatte, das Haus nicht mehr ständig bewohnt worden war. Der Sir lebte in London und kam allenfalls zu seinen Soireen oder am Wochenende hierher.

 

Vier Jahre hatte sie bei ihm wohnen und ihm dienen dürfen. Es war die schönste Zeit ihres Lebens gewesen und sie hatte mit bedingungs­loser Hingabe alles dafür getan, dass er sie als seine Sklavin nicht nur schätzte, sondern auch lieben würde. Es war ihr innigster Wunsch gewesen, dass er in ihr auch die Frau sah, die sein Leben mit ihm teilte. Er hatte sie geachtet, aber geliebt, so wie sie ihn liebte, hatte er sie nicht. Aus diesem Grund musste sie den Landsitz ver­lassen, da sein Herz von einer anderen Frau ver­ein­nahmt worden war.

 

 Das Ende war schleichend gekommen und sie hatte bis zur letzten Sekunde gehofft, dass sich alles zum Guten wenden würde. Ihre Liebe und Ergebenheit ihm gegenüber waren so groß, dass sie mit dem Wissen hätte leben können, dass er eine andere liebte, nur um in seiner Nähe bleiben zu dürfen. Obwohl sie eine moderne junge Frau mit guter Ausbildung war, hatte sie früh den Wunsch in sich getragen, einem Herrn unein­geschränkt zu dienen. Der Begriff der 24/7-Sklavin fand bei ihr durchaus seine Berechtigung. Sie durfte in seinem Haus leben und genoss seine Strenge und Güte, wann immer es ihm beliebte. Ihre eigene devot-masochistische Neigung er­gänz­te sich perfekt mit seiner Gesinnung. Sie liebte es, wenn er sie unerbittlich mit dem Rohr­stock züchtigte, seine verbale Dominanz auslebte und mit ihrem Körper spielte. Sie waren sich über die Jahre sehr nah gekommen und dies hatte bei ihr die Hoffnung genährt, sie würde irgendwann mehr für ihn werden. Sie hatte versucht sich mit den Verwaltungsaufgaben, die rund um sein großes Anwesen anfielen, unentbehrlich zu machen. Bei den Soireen, den frivolen Veran­staltungen, die er regelmäßig veranstaltete, war sie seine Zofe gewesen und hatte die Frauen, die er einlud, für den Abend vorbereitet. Es waren elitäre Zusammenkünfte, bei denen seine Gäste und er ausgiebig ihre bizarren Leidenschaften auslebten. Er hatte einen besonderen Faible: Die Frau, für die er sich an diesem Abend entschied, musste seine Sklavin für eine Nacht sein. Es war ein ausgefallenes Spiel, bei dem sich die Frauen bereit erklärten, für diese Zeit alle Rechte abzu­geben. Dieses ausschweifende Spiel hatte für ihn einen besonderen Reiz. Ihm ging es dabei nicht um die körperliche Befriedigung, sondern um die Macht, die er mit seiner dominanten Art demons­trieren konnte.

 

Es war für sie immer eine Grat­wan­derung zwischen Eifersucht und Bewunde­rung gewesen. Eine dieser Frauen war eine gute Freundin geworden. Claire, die damals versucht hatte, den Mann ihres Herzens zu vergessen und sich mutig auf diese Regeln der absoluten Unter­werfung eingelassen hatte, hatte ihr in der Zeit des Abschieds beigestanden. Obwohl Florence, die Sir Baxters Herz gewonnen hatte, ebenfalls eng mit Claire verbunden war. Claires Partner Mason war mit Jayden, so der reale Name des Sirs, befreundet. Es war keine einfache Zeit gewesen und sie hatte die Freundschaft aller auf die Probe gestellt. Dominique sah sich trotz des Zuspruchs von Claire und Mason als Verliererin. Da Jayden ihr nie etwas Anderes versprochen hatte und ihre devote Seele es nicht erlaubte, konnte sie keinen Groll gegen ihn hegen.

 

Bei dem Gedanken an den damaligen Abschied von ihm zog sich ihr Magen zusammen. Es war schrecklich gewesen, ihre Sachen packen zu müssen. Ihr Leben in Kisten zu verstauen und ihr Zimmer, ihr kleines privates Reich, zu verlassen. Sie fragte sich, was aus diesem Raum geworden war. Hatte er ihn renovieren lassen oder erinner­ten die dunklen Ränder ihrer abgenommenen Bilder weiterhin an ihre Existenz?

 

 Dominique hatte sich in dem letzten Jahr immer wieder gefragt, was schlimmer gewesen war: Dass sie gehen musste oder die liebevolle Art, wie er sie verabschiedet hatte. Ihren Schmerz verstehend, hatte er ihr die Zeit und die Nähe gegeben, die sie nicht ins Bodenlose hatten fallen lassen. In den Minuten des Abschieds, in denen sie vor ihm kauerte und ihren Kopf auf seinen Oberschenkel gelegt und seine Hand gehalten hatte, war er nicht mehr ihr Herr gewesen, sondern ein Mann, der seine Frau verließ, weil er eine andere liebte.

 

Vielleicht wäre es ihr leichter gefallen, hätte er sie gefühllos aus dem Haus gejagt. Seine Fürsorge hatte ihren Kummer verschlimmert. Es hatte sich angefühlt, als hätte man ihr mit einem scharfen Messer das Herz aus dem Leib geschnitten. Niemals würde sie diesen brennenden, alles vereinnahmenden Schmerz vergessen. Dieser war nie verschwunden und war jetzt, da sie vor dem geschlossenen Tor in der Kälte stand, präsenter denn je.

 

Verantwortungsvoll, wie ihr Herr gewesen war, hatte er sich darum gekümmert, dass sie nicht, losgelöst von ihrem bisherigen Leben, allein sein musste. Sie war auf seinen Wunsch zu Sir Stephen gegangen, den sie von den Soireen kannte und der ebenfalls ein großes Anwesen besaß, um das sie sich kümmern sollte. Da sie aufgrund einer Erbschaft nicht mittellos war, hätte sie sich eine eigene Wohnung oder ein Zimmer in London leisten können. Ihre bedingungslose Unterwer­fung war jedoch nicht mit dem Verlassen des Landsitzes von Sir Baxter verschwunden und so kam sie seinem Wunsch nach. Selbst der größte Schmerz hinderte sie nicht daran, für ihn alles zu tun. Dominique wusste, dass es ihr bei Sir Stephen gut gehen würde und dies hatte sich bis heute bestätigt.

 

Wie alle Freunde von Jayden war er ein gebildeter und gut situierter Mann, der seine domi­nante Leidenschaft ebenso mit der gebote­nen Umsicht auslebte. Dominique empfand ihn als großmütig und rücksichtsvoll. Sie vermisste nicht nur einmal die unerbittliche Strenge und Härte ihres früheren Herrn. Diese Strenge und Härte auszuhalten, war ein Teil ihrer Persön­lichkeit.

 

Es gab zu Beginn eine Situation, in der sie sein Entgegenkommen als großes Geschenk empfun­den hatte. Sie hatte ihn gebeten, ihn nicht mehr auf die Soireen begleiten zu müssen. Sie hätte es nicht ausgehalten, Sir Baxter mit seiner Herzens­frau erleben zu müssen.

 

Die Erinnerung an den Abend, an dem sie Sir Stephen begleitet hatte und Florence zum ersten Mal aufgetreten war, quälte sie bis heute. Aller­dings hatte sie kurz nach ihrem Einzug in ihr neues Zuhause nicht den Mut aufgebracht, die Bitte zu äußern, dem Abend fern zu bleiben, und war festen Willens gewesen, diesen Anblick auszuhalten.

 

Dominique wusste um ihre Schönheit und hatte das Wissen trotz ihrer devoten Art nie verloren. An jenem Abend, an dem sie neben ihrem neuen Herrn gestanden und Florence betrachtet hatte, hatte sie sich für einen Moment gefragt, was diese Frau hatte, was sie nicht besaß. Da sie der Gedanke beschämt hatte, war sie bemüht gewesen, sich dies nicht anmerken zu lassen.

 

Es war für sie die Hölle gewesen, als alle Gäste den Speisesaal verließen und Sir Baxter mit Florence allein zurückgeblieben war. Die Herren, die jeweils eine Gespielin an ihrer Seite hatten, waren mit Sir Stephen und ihr in das im Gewölbekeller befindliche Spielzimmer gegangen. Dieser Raum, der mit allen nur erdenklichen SM-Möbeln ausgestattet war, barg so viele Erinne­rungen, dass sie es kaum aushielt. Um diesen brennenden Schmerz in ihrer Seele zu kompen­sieren, hatte sie sich für ihre Art untypisch provokant verhalten. Sie wollte körperlich gezüchtigt werden. Insbesondere an diesen Abenden waren die Herren äußerst streng und ließen keine Frechheiten zu. Sie erinnerte sich an den zornigen Blick ihres neuen Herrn, der sich durch ihr Verhalten brüskiert gefühlt hatte. Seine neue Sklavin verhielt sich nicht so, wie er es hätte erwarten dürfen und wie er es von ihr gewohnt gewesen war. Dominique war sich ihres Fehlver­haltens bewusst gewesen und trieb es auf die Spitze, als sie sich nur widerwillig an das Andreas­kreuz fixieren ließ.

 

»Ich werde dir deine Flausen schon austrei­ben«, hatte Sir Stephen mit scharfem Ton gesagt und sie mit gespreizten Armen und Beinen unge­wöhnlich stramm fixiert.

 

Vorher hatte sie sich nackt ausziehen müssen, sodass kein Stück Stoff die Schmerzen hätte mildern können. Ihr Körper hatte gebebt und endlich trafen die ersehnten Schläge gnadenlos ihren Po, ihre Schultern und ihre Schenkel. Da sie den Anwesenden den Rücken zugewandt hatte, war ihr Gesicht nicht zu sehen. Sie wollte ihr gebrochenes Herz gegen die Schmerzen, die durch die vielen Hiebe entstan­den, eintauschen. Für sie war es kein Spiel mehr, um sich ihrer sonst schmerzgeilen Lust zu stellen. Sie verhielt sich wie eine Borderlinerin, die sich die Arme aufritzte, um ihre Qualen dadurch zu lindern. Ein einziges Mal öffnete sie die Augen und ihr Blick traf sich mit dem von Claire, die mit Mason ebenfalls der Runde beiwohnte. Ihr Gesichts­ausdruck hatte große Betroffenheit wider­­ge­spiegelt, sie war die Einzige, die Dominiques Beweggründe kannte.

 

 Sogar als Sir Stephen befand, es sei genug, flehte sie ihn mit wimmernder Stimme an, nicht aufzuhören. Das hatte ihn erneut verärgert und ein wahrer Feuersturm war auf sie hereinge­brochen. Wütend hatte er geschrien: »Es war dein Wunsch, du undankbares Fickstück«.

 

Es war ein Regelbruch sondergleichen, als Skla­vin mehr Härte zu fordern, aber es war ihr gleich­gültig. Sie ließ sich fallen, ihr Geist und ihre Seele lösten sich von ihrem Körper, bis dieser seine natürliche Schutzfunktion auslöste und sie das Bewusstsein verlor. Die Aufregung, die dadurch entstanden war, bekam sie nicht mit. In diesem Moment wäre sie, rückblickend betrach­tet, froh gewesen, nie wieder aus der Ohnmacht erwachen zu müssen. Die Tatsache, dass Sir Baxter sie gegen eine andere Frau ausgetauscht hatte und sie dies mit ansehen musste, war so grausam, dass sie am liebsten gestorben wäre.

 

Tage später hatte sie sich bei Sir Stephen ent­schul­digt und ihn unter Tränen gebeten, ihr zu verzeihen. In dieser Situation kam das weiche Herz ihres neuen Herrn zum Vorschein und er kam ihrem Wunsch nach, ihn nicht mehr begleiten zu müssen.

 

 Ihr neues Zuhause war zum Glück nicht in un­mit­telbarer Nähe. Sir Stephen bewohnte ein ähnlich altes Haus, so wie es in den Grafschaften Englands viele gab. Auch er entstammte einem alten Adelsgeschlecht. Allerdings hatte er keine Wohnung in London, so wie Jayden. Als Archi­tekt konnte er von zu Hause aus arbeiten und fuhr lediglich zu seinen Terminen in die Stadt. Er war somit stets in Dominiques Nähe und, nicht wie Jayden, sporadisch anwesend. Ein Umstand, den sie sich genau anders herum gewünscht hätte.

 

An dem Tag, an dem sie eingezogen war, hatte er sie mit einer Herzlichkeit empfangen, so als wäre sie seine zukünftige Frau und nicht seine Sklavin, die er nach Belieben benutzen konnte. Seiner Haushälterin wurde sie als seine neue Assistentin vorgestellt. Etwas, das Jayden damals nicht in Betracht gezogen und es ihr überlassen hatte, sich vorzustellen. Natürlich gab es damals die Vor­gabe, den wahren Grund ihres Aufenthaltes nicht zu äußern. Dieser Aufforderung hätte es nicht bedurft, da Dominique wusste, dass niemand über seine bizarren Leidenschaften Kenntnis hatte. Die nette Köchin, die bereits für das leib­liche Wohl von Jaydens Eltern gesorgt hatte, hätte vermutlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Eine Frau, die seit über dreißig Jahren verheiratet war und für die der einmal im Jahr stattfindende Besuch in London ein großes Highlight darstellte, würde kaum verstehen, welche ausgefallenen Sexspiele in dem Haus stattfanden. Vermutlich hatte sie noch nie von BDSM oder dergleichen gehört. Dominiques Anwesenheit war mit ihren Verwaltungsaufgaben plausibel erklärbar. Außerdem spürte man ihren Respekt gegenüber Jayden. Seine Eltern hatte die Köchin, so hatte sie es Dominique erzählt, noch mit Sir und mit Mylady angesprochen. Die Um­gangs­formen aus dem vorherigen Jahrhundert hatten sich lange gehalten. Dominique hatte manches Mal in sich hineingrinsen müssen, da ihre Position, genau betrachtet, einer ähnlichen Rollenverteilung entsprach.

 

Ihr Zimmer, das direkt neben Sir Stephens Schlaf­zimmer lag und durch eine Tür damit verbunden war, war größer als das, das sie vorher bewohnt hatte. Sie hätte lügen müssen, wenn sie es nicht als gemütlich empfunden hätte. Nahezu stolz zeigte er ihr sein Spielzimmer, das wenig mit dem Keller im Hause Baxter gemein hatte. Die Streckbank und der Strafbock waren weich ge­pols­tert und das große Gitterbett erinnerte mehr an ein Liebesnest. Jede Frau, die diese Sexualität in sich trug, wäre vor Begeisterung dahinge­schmolzen. Für Dominique war es jedoch nicht das, was sie damit verband. Eine Sklavin zu sein, musste für sie entbehrungsreich sein und ihr neues Leben war, die emotionale Seite außen vor gelassen, alles andere als das.

 

Es war ihr nicht verborgen geblieben, dass sich Sir Stephen immer schon sehr für sie interessiert hatte. Sir Baxter hatte sie ihm öfters zur Ver­fü­gung gestellt. Es war für sie selbstverständlich gewesen, dass er sie gezüchtigt und gefickt hatte, da es von ihrem Herrn gewünscht worden war. In ihrer neuen Rolle stellte es sich jedoch anders dar.

 

 Da sie nach der Verabschiedung von Sir Baxter direkt von einem Chauffeur in ihr neues Leben gebracht worden war, war ihr Herz voller Kum­mer gewesen und sie hätte sich am liebsten in ein Mausloch verkrochen, um niemanden sehen zu müssen. Immer wenn sie daran dachte, kämpfte sie mit den Tränen. Ein Seufzer entfuhr ihr und sie schritt an das geschlossene Tor. Sie umklam­merte die Eisenstäbe und lehnte ihren Kopf dagegen. Da sie keine Handschuhe trug, breitete sich die Kälte sofort im ganzen Körper aus.

 

Sie schloss die Augen und die Ereignisse vom Tag ihres Einzugs tauchten wie reale Bilder vor ihr auf.

 

Nachdem Sir Stephen ihr das Haus gezeigt hatte, begleitete er sie in ihr Zimmer. Mittlerweile waren ihre restlichen Sachen geliefert worden, da sie per­sönlich lediglich das Nötigste dabei gehabt hatte. Es hatte erneut etwas Endgültiges. Sie stand verloren da und wusste nicht, was sie tun sollte, als ihr neuer Herr von hinten an sie heran­trat. Sie spürte seinen Atem in ihrem Nacken und wie er seine Leisten gegen ihren Po drückte. Dominique hatte bemerkt, dass er die ganze Zeit geil gewesen war. Sie stand weiterhin regungslos da, als er in ihre Haare griff und den Kopf nach hinten zog, dabei berührten seine Lippen ihren Hals und er begann, sich fester an ihr zu reiben.

 

»Du wirst deinem neuen Herrn ein kleines Begrüßungsgeschenk bescheren«, raunte er und sein Atem wurde schneller.

 

»Ja, selbstverständlich, sehr gern«, presste sie heraus und alles in ihr schrie nach Ablehnung und Flucht.

 

Seine Hände wanderten unter ihren Pullover und er begann, mit festem Druck ihre Brüste zu massieren und an ihren Brustwarzen zu zwirbeln. Seine Erregung wuchs und Dominique wusste als gehorsame Sklavin, was sie zu tun hatte. Fügsam drehte sie sich um, kniete nieder und öffnete seinen Hosenverschluss. Ihm seinen Schwanz zu blasen, war für sie nichts Neues, neu würde jedoch das Ende sein. Es gab bei den Soireen Regeln, die unter anderem besagten, dass nur der jeweilige Dom sich bis zum Finale von seiner Gespielin verwöhnen lassen durfte. Diese Praktik gehörte zu den intimsten zwischen einem Herrn und seiner Sub. Für diese war es ein Geschenk, seine Säfte aufzunehmen und ihn bis zur letzten Sekunde auszukosten. Sir Stephen war ab jetzt ihr Herr und er würde dieses Privileg in Anspruch nehmen. Dominique hatte es bei Jayden geliebt. Sie schloss die Augen, kam ihrer Aufgabe nach und träumte, dass es nicht ihr neuer Herr war. Währenddessen kamen ihr immer wieder die Worte des Sir Baxters in den Sinn, der sie gebeten hatte loszulassen und sie daran erinnerte, dass man ihr ihre gemeinsame Zeit nicht würde neh­men können. Es war der berühmte Strohhalm, an den sie sich klammerte, als ihr neuer Gebieter sich mit einem lauten Stöhnen in ihr ergoss.

 

Eine weitere Regel besagte, dass die orale Befriedigung der Sklavin ausschließlich durch ihren Herrn erfolgen durfte. Sir Stephen kostete auch dieses neue Vorrecht genüsslich und lange aus. Dazu musste sich Dominique mit gespreizten Beinen auf eine Kommode positionieren, die ihm bequem dieses Spiel ermöglichte. Es war ihre gren­zen­lose Unterwürfigkeit, die es ihr ermög­lichte, sich dem körperlich hinzugeben und sogar einen Orgasmus zu bekommen. Es war ihre Vagina, die auf die unablässige Stimulation rea­gier­te, aber nicht ihre Seele und schon gleich gar nicht ihr Herz.

 

Da er sie kannte, wusste er, dass sie intensiv auf harte Schläge reagierte. Bevor er sie zum Finale hart fickte, ließ er den Rohrstock etliche Male auf ihre Rundungen sausen. Es war der einzige Moment, in dem Dominique sich lustvoll hingab. Sie liebte den Schmerz, hatte ihn durch seine Hand mehrfach erlebt. Als er sie anschlie­ßend mit harten Stößen nahm, ihr Körper unter den heftigen Bewegungen bebte, kamen wieder die Bilder von Jayden zum Vorschein. Es hatte sich bei ihm anders und besser angefühlt, aber sie wusste, dass sie keine Wahl haben würde. Sie hatte es ihm versprochen.

 

Die nasse Kälte hatte ihren Körper inzwischen durch und durch erfasst und sie konnte ihre Schluch­zer nicht mehr unterdrücken. In dieser Sekunde fragte sie sich, warum sie an diesen Ort zurückgekehrt war. Es war eine Torheit gewesen, da hatte die Schriftstellerin wahre Worte formu­liert. Aber war es nicht so, dass man das Grab von einem geliebten Menschen ab und zu besuch­te, um ihm nahe zu sein?

 

Plötzlich spürte sie etwas an ihrem Bein. Sie schrie erschrocken auf und starrte mit zunächst ängst­lichem Blick in große, braune Hundeaugen. Der beige Vierbeiner sprang an ihr hoch und hüpfte spielerisch um sie herum. Obwohl Domi­nique sofort spürte, dass von dem Tier keine Bedrohung ausging, wich sie zurück. 

 

»Finn, aus!«, hörte sie eine Männerstimme, gefolgt von einem Pfiff. Sofort ließ der Hund von ihr ab und tollte seinem Herrchen entgegen. In weni­gen Schritten war dieser bei Dominique.

 

»Keine Sorge«, hörte sie seine Stimme. »Er will nur spielen!«

 

Vor ihr stand ein Mann, der die Mütze tief ins Gesicht gezogen hatte und dem Wetter entspre­chend gekleidet war; mit einer warmen Regen­jacke und festen Schuhen.

 

Es war eine Schrecksekunde, da er in seiner Gestalt Jayden ähnelte. Da er jedoch eine andere Stimme hatte, war Dominique sofort bewusst, dass der es nicht sein konnte. Durch die aufkom­mende Enttäuschung musste sie sich eingestehen, dass sie unbewusst gehofft hatte, ihn anzutreffen. Dass er sie einlud sich aufzuwärmen, sie gemein­sam in der Küche einen Tee tranken, er sie plötz­lich in den Arm nahm und ihr sagen würde, dass es ein Fehler gewesen sei, sie wegzuschicken ...

 

Dominique bewegte sich nicht, ihre Beine zit­ter­ten und sie nahm den Fremden nicht wahr, so sehr war sie sofort in ihre Traumwelt abgerutscht. Finns Besitzer war an sie herangetreten.

 

»Ist alles in Ordnung?«, fragte er.

 

Unsanft wurde sie aus ihren Fantasien heraus katapultiert. Augenblicklich schämte sie sich da­für, im Halbdunklen an dem geschlossenen Tor zu stehen. Vermutlich hielt er sie für eine Bett­lerin oder für jemanden, der das Anwesen aus­spionierte.

 

Finn seinerseits hatte an der frierenden und ver­weinten Dominique sofort einen Narren ge­fres­sen und schnüffelte und tobte um sie herum.

 

»Entschuldigung, er ist noch sehr jung und seine Manieren lassen leider noch zu wünschen übrig!« Seine Stimme hatte einen angenehmen Klang.

 

Ihre Blicke trafen sich zum ersten Mal. Es war ein seltsamer Moment, so als ob sich eine un­sicht­bare Verbindung aufgebaut hatte. Da sie in unmittelbarer Nähe zu ihm stand, konnte sie seine Augen sehen. Jaydens Augen waren blau und wirkten tiefgründig, wie ein Bergsee. Dieser Fremde hatte ähnliche Augen.

 

»Kein Problem«, stammelte Dominique und konnte nicht aufhören ihn anzusehen. Sie war wie elek­trisiert.

 

»Kann ich Ihnen helfen?«, kam die berechtigte Frage, und während er es aussprach, legte er dem ungestümen Vierbeiner eine kurze Leine an und erlöste sie.

 

Es dauerte einen Moment, bis sie antwortete:

 

»Nein, ich habe nur nach meinem Stern ge­sucht.« Ihr wurde sofort bewusst, wie absurd dies klingen musste und fügte hinzu: »Ich bin ein biss­chen spazieren gegangen«.

 

»Ah«, kam es entsprechend zurück. »Sind Sie sicher, dass ich nichts für Sie tun kann?«

 

»Nein, nein, danke!«, wehrte sie ab und spürte, wie sie errötete. Am liebsten wäre sie sofort zum Auto gerannt, so peinlich berührt fühlte sie sich. Da sie mit Stephens Wagen gekommen war und sich sorgte, dass man diesen erkennen würde, hatte sie abseits des Grundstücks geparkt und der Zufluchtsort war somit weit weg.

 

»Na dann!«, vernahm sie seine Worte. Es sah aus, als gehöre er hierher, denn er öffnete die Tür, die für Fußgänger neben dem Einfahrtstor in den schmiedeeisernen Zaun eingelassen worden war.

 

Erneut trafen sich ihre Blicke und ein sympa­thi­sches Lächeln spiegelte sich in seinem Gesicht wieder. Ein Schauer lief Dominique den Rücken herunter.

 

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, drehte sie sich um und stürzte los. Sie wusste, dass ihr Ver­halten befremdlich wirken musste, aber es war ihr gleichgültig.

 

Außer Atem erreichte sie den Wagen, stieg ein und legte Kopf und Arme auf das Lenkrad. Was musste der Mann von ihr denken? Auf jeden halbwegs normal denkenden Menschen machte ihre Aussage vermutlich den Eindruck einer spiri­tuell durchgeknallten Frau.

 

Sterne hatten für Dominique jedoch eine be­son­dere Bedeutung. In der Vergangenheit hatte sie sich für Astrologie interessiert und viel über die Bedeutung von Himmelskörpern gelesen. Sterne hatten stets eine magische Bedeutung für die Menschen. Es gab die Vorstellung von Lie­ben­den, dass ein besonderer Stern die Verbin­dung zu einem abwesenden Menschen bedeutet, sogar über den Tod hinaus. Um Jayden symbol­lisch nahe sein zu können, hatte sie viele Nächte am Fenster gesessen und in den Himmel ge­schaut, bis sie einen Stern entdeckt hatte, von dem sie glaubte, dass er diese magische Verbin­dung zwischen ihnen spiegelte. Manchmal konnte sie diesen Himmelskörper nicht entdecken, ob­wohl keine Wolken am nächtlichen Firmament zu sehen waren. Diese Momente lösten eine große Angst in ihr aus, da sie glaubte, Jayden endgültig verloren zu haben. Es waren manchmal Stunden, die sie damit zubrachte, diesen Stern zu suchen. Für sie war es der einzige Halt in den unendlich langen Nächten der Einsamkeit und Trauer.