Leseproben online -Angel's Secrets Part 4

 

Ein spannender Liebesthriller um gnadenlose Strukturen eines Syndikats, die das Leben von zwei Menschen diktiert.

 

 

Fünf Sterne deluxe - Part 4

 

Entspannt und mit sich und der Welt zufrieden, schlief William erwartungsgemäß schnell ein. Eine Weile saß Angel neben ihm auf dem Bett und beobachtete ihn. Auch bei ihr stellte sich ein Gefühl der Zufriedenheit ein. Es fühlte sich gut an, da sie ihn hatte glücklich machen können. Sie wusste, dass die meisten Menschen außerhalb ihres Kosmos, dies nicht verstanden. Sexualität zu verkaufen, blieb trotz allem anrüchig.
Mit einem Seufzer schlich sie ins Bad um zu duschen. Es standen ihr ein paar Stunden bevor, die sie sich vertreiben musste. Es gab für sie eine klare Regel, die besagte niemals bei einer Overnight-Buchung einzuschlafen. Das konnte anstrengend werden, da sich die Nachtstunden unendlich zogen. Aus dem Grund kam zuweilen ihr Babyfone zum Einsatz und ermöglichte einen kleinen Ausflug. Das klappte nicht immer, also hieß es, die Zeit anderweitig totzuschlagen.
Mittlerweile hatte sie in vielen Onlinespielen den High-Score geknackt. Bei ihrem ersten Triumph hatte sie vor Begeisterung in die Hände geklatscht und ein lautes »Yeah!« Herausgerufen. Dummerweise hatte ihr Aufschrei den Herrn geweckt. Blitzschnell hatte sie sich lasziv auf den Rücken geworfen und sich schlafend gestellt. Daraus gelernt, galt es die künftigen Online-Siege lautlos zu bejubeln.
Ein anderes Mal hatte sie sich über YouTube Yoga-Übungen angesehen und sich in der »Turskeeka pada bhekasana oder für den Laien die »liegende Froschstellung« ausprobiert. Der »Hindolasana« forderte ihre vollständige Beweglichkeit, da sie im Schneidersitz die Fußzehen bis zum Mund bog. Nur mit Mühe gelang es ihr, den Beistelltisch mit den Gläsern nicht umzureißen, da sie unkontrolliert zur Seite kippte. Die Erinnerung entlockte ihr nach wie vor ein Grinsen.
   Heute hatte sie Lust ein bisschen mit Jack zu plaudern. In Unterwäsche und Bademantel bekleidet huschte sie in den Fahrstuhl. Um die Uhrzeit wirkte das Haus wie in einem Dornröschenschlaf. Die wenigen guten Geister, die in der Nacht dafür sorgten, dass am nächsten Tag alles wieder für die Gäste strahlte, störten sich nicht an ihr. In diesen Augenblicken gehörte sie zu denen, die im Hintergrund agierten.
In der Lobby angekommen, erklang Klaviermusik aus der Bar.
Wer spielt denn hier mitten in der Nacht?
Sie lauschte einen Moment. Klingt schön!
Es handelte sich nicht um ein klassisches Stück, sondern um eine Popballade. Aber wie so oft hört man etwas und kann es beim besten Willen nicht zu zuordnen.
Ich bin neugierig.
Die Situation entlockte ihr ein Schmunzeln. Barfuß und zu nachtschlafender Zeit durch das Foyer eines der teuersten Hotels der Stadt zu laufen, fühlte sich sonderbar an.
Bis auf ein paar Reinigungskräfte hielt sich niemand mehr in der Bar auf. Sie versuchte, einen Blick auf den Pianospieler zu erhaschen, dennoch so, dass er sie nicht entdeckte.
Oh! Das ist ja ein Zufall, schoss es ihr durch den Kopf. Völlig in sich versunken, erkannte sie den Mann, an den sie bereits hatte denken müssen, obwohl sie sich nur für wenige Augenblicke begegneten.
Ihr erster Eindruck bestätigte sich. Ein Mann von großer Gestalt mit einer für Angel nicht zu erklärenden Ausstrahlung, die sie auf ungewöhnliche Weise erregte. Die dunkelblonden Haare, ein markantes Gesicht die unter dem locker sitzenden weißen Hemd zuerkennende durchtrainierte Figur, entsprachen dem, was sich die private Angel in ihren heimlichen Träumen wünschte. Aus ihrer Tarnung heraus hörte sie zu und bei dem Stück, dessen Namen ihr immer noch nicht einfallen wollte, kribbelte es auf ihrer Haut.
Kurz hob er den Kopf und schaute in ihre Richtung, so als spüre er, ihre Anwesenheit. Eine Schrecksekunde für Angel. Er hatte sie jedoch nicht gesehen.
Um nichts zu riskieren, trippelte sie über den mit Teppich ausgelegten Boden zur Rezeption. Jack grinste.
»Und ruhig?«, fragte Angel zur Begrüßung.
»Na das Übliche. Allerdings muss ich ein paar administrative Arbeiten am PC erledigen.«
Sie standen etwas abseits, sodass es nicht sofort auffiel. Die Geschäftsleitung sah solche Kontakte nicht gern.
»Sag mal, wer spielt da?« Sie hoffte, dass er den Namen verriet. Irgendetwas mit De .... sie hatte nicht genau hingehört.
»Das ist unser Gast aus der Präsidentensuite. Er logiert regelmäßig bei uns und dann kommt es schon mal vor, dass er zu dieser Zeit den Flügel benutzt.«
»Ah.«
»Nein, den Namen verrate ich dir nicht, du kennst das Zauberwort.«
»Diskretion«, antwortete sie und rollte die Augen. »He wir sind Kumpels.«
»Ian de Vere aus New York«, kam es flüsternd über seine Lippen. »Aber von mir weißt du das nicht.«
»Hat er manchmal Damenbesuch?« Angel packte die Neugier.
»Du meinst ob er verheiratet ist?« Er zuckte mit den Schultern. »Ich weiß es nicht, zumindest hat er hier noch nie mit einer Dame eingecheckt.«
»Dann ist er schwul, denn so ein Mann wie er muss gebunden sein.« Angel fuhr sich mit den Händen durch ihre Haare und lockerte sie auf.
»Was bist du denn so neugierig?« Jack schaute sie mit einem Schmunzeln an.
»Och nur so«, winkte sie ab. »Vielleicht ein potenzieller  Kunde.«
»Also willst du von mir wissen, ob er Konkurrentinnen von dir empfängt?«
»Da du es mir schon anbietest, ja interessiert mich.«
»Ich habe bislang nichts dergleichen mitbekommen.«
Mit Daumen und Zeigefinger spielte sie an ihrem Ohrläppchen. Das tat sie oft, wenn sie nachdachte.
»Gefällt er dir? Das wäre ja mal etwas Neues.«
Sie verzog das Gesicht zu einer Grimasse. »Mir gefallen viele meiner Kunden.«
»Ja klar ...«
»Doch wirklich!« Spielerisch boxte sie ihn auf den Arm. »Themawechsel!« Der Rezeptionist blockte bewusst ab.
»Meinetwegen«, stimmte sie zu, obwohl sie gern noch ein bisschen mehr über ihn erfahren hätte.  
»Erzähl mir genau, wie du das mit deiner Freundin wieder hinbekommen hast.«
Sie stützte die Ellenbogen auf dem Counter und ihr Gesicht mit den Händen ab.
Lange kamen sie nicht zum Reden. Die Arbeit und der brummende William, der sich durch das Babyfone bemerkbar machte, beendeten die kurzweilige Plauderrunde.

 

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