Leseprobe online - Dangerous Affair

1.  Kapitel 

Sky

Das Gebrüll einer zugedröhnten Frau, die sich vor meinem Stammlokal »Captains« herumwälzte, ging mir auf die Nerven. Vermutlich hatte sie eine der gestreckten Drogen, die im Moment überall in Venice Beach kursierten, genommen. Das Zeug hatte verheerende Auswirkungen, die sich durch üble Wahnvorstellungen zeigten. Die Leute, die sich um sie bemühten, wurden von ihr offensichtlich als Monster oder Aliens wahrgenommen. Das Sirenengeheul eines Streifenwagens näherte sich. Ich verzichtete darauf, mir das Schauspiel anzusehen. Es interessierte mich schlichtweg nicht, was mit ihr geschah. In der Regel wurden die Drogis von der Polizei mitgenommen, vielleicht kümmerte sich ein Arzt um sie, mehr konnten sie nicht erwarten. Schöne heile Welt von Hollywood und Beverly Hills, die nach wie vor viele Menschen mit großen Hoffnungen auf eine Filmkarriere anlockte. Venice Beach hatte mit der trügerischen Glitzerwelt nicht das Mindeste gemein. Sobald die Dunkelheit einbrach, übernahmen die Dealer und Gangs die Herrschaft. In sämtlichen Reiseführern wird das Viertel ab den Abendstunden als »No-go-Area« beschrieben. Der Bezirk offenbarte den gehäuften Dreck, hier trafen sich die Gestrandeten und Verlierer. Die, deren Traum von Erfolg und Ruhm platzte oder die, die sowieso nie im Leben eine Chance bekamen.
Ich zählte zweifelsfrei zu der zweiten Gruppe. Mutter eine Säuferin, Vater unbekannt und ich mit meinen fünfundzwanzig Jahren polizeibekannt, erfüllte ich jedes Klischee. Möglicherweise hätte ich den Absprung geschafft, da man mir eine überdurchschnittliche Intelligenz bescheinigte. Manchmal denke ich an die Schulzeit zurück. An die Zeit, in der ich motiviert und fleißig versuchte, einen besseren Lebensweg einzuschlagen und etwas aus mir zu machen. Die Illusion dauerte bis zur Highschool, die ich abbrach. Mum interessierte sich mehr für ihre Whiskyflasche als für die Hausaufgaben ihrer Tochter. Die nächtlichen Saufgelage und die permanent wechselnden Männer gehörten zum Alltag. Ich habe keinerlei Ahnung, wie viele Kerle über sie drüber gerutscht sind. Manche blieben eine Nacht, andere wiederum nisteten sich bei uns ein. In der mit Zigarettenqualm durchzogenen Luft lag ständig eine unterschwellige Form von Gewalt. Mum besaß das große Talent, sich mit ihren Äffären bis aufs Blut zu streiten, was nicht nur einmal in körperlichen Auseinandersetzungen endete. Unzählige Male kroch ich unter das Bett und drückte meine Lieblingspuppe fest an meinen zitternden Körper. Ab einem gewissen Alter brauchte ich keine Puppe mehr, die mir Trost spendete. Um den üblichen Streitigkeiten zu entkommen, kletterte ich abends aus dem Fenster, hangelte mich die Feuerleiter herunter und zog durch die Gegend. Ein Terrain, was nicht für eine Dreizehnjährige geeignet ist. Dealer, Säufer, Diebe hatten sich in unserem Viertel niedergelassen. Unweigerlich schloss ich mich einer Gang an. Der Startschuss für eine kriminelle Laufbahn. Regelmäßig schnappten mich die Cops bei Ladendiebstählen, nahmen mich mit auf das Revier und drohten mit der Einweisung in ein Heim. Mum sollte mich abholen, aber es passierte manchmal, dass sie es vergaß. Die Schule schwänzte ich jedoch nie. Der Drang nach Wissen hält bis heute an und ich lese oft. Ich will nicht so hohl und unwissend herumlaufen, wie so viele, die mir täglich begegnen.
Allerdings ist in Venice Beach nicht alles schlecht. Der namensgebende, an der Pazifikküste gelegene, Sandstrand ist über vier Kilometer lang und sensationell. Wir haben das ganze Jahr ein mildes Klima, was das Herumtreiben auf den Straßen erleichterte. Ich erlebte tatsächlich Lagerfeuerromantik und ungezählte Stunden an einem der wunderbarsten Strände der Welt. An den Wochenenden ist der Boardwalk ein gutbesuchter, bunter Jahrmarkt aus Ständen mit irgendwelchem Kitsch. Ein Paradies für Taschendiebe. Ich kann das beurteilen, weil ich zu einer Bande gehörte, die kräftig mitmischte.
»Scheiße«, murmelte ich bei den Gedanken an meine Kindheit und kippte mit einem Schluck den Wodka hinunter. »Noch einen Jeff.«
Jeff, der, seitdem ich denken konnte, in dieser Kaschemme arbeitete, kam mit der Flasche und füllte das Glas.
»Die Junkies kotzen mich an«, brummte er. »Nicht gut fürs Geschäft, wenn die Cops ständig hier patrouillieren.«
»Mhhm, vielleicht solltst du dich mal darum kümmern, dass der Stoff wieder clean wird.«
»Ich bin nicht Gott und nehme das, was im Umlauf ist.«
»Dann beschwer dich nicht«, konterte ich. »Ich bin froh, dass ich damit nie angefangen habe.«
»Dafür schießt du dir regelmäßig die Birne mit dem billigen Fusel weg«, hörte ich die Stimme meines Kumpels Louis.
Ich betrachtete ihn und verdrehte die Augen. »Ich hab dich ebenfalls lieb.«
»Nichts für ungut, Kleines.« Er setzte sich auf einen der wackligen Barhocker und tupfte sich den Schweiß von der Stirn. »Jeff, für mich auch einen.«
Obwohl er ein ungepflegter Typ mit fettigen Haaren, von Nikotin verfärbten Zähnen und schmuddeligen Klamotten war, mochte ich ihn. Er tauchte irgendwann im »Captains« auf, wir kamen ins Gespräch und es entwickelte sich eine interessante Verbindung. Wir konnten stundenlang quatschen, da er eine gute Allgemeinbildung besaß. Er lieh mir Bücher und wir debattierten über die zum Teil literarisch anspruchsvollen Romane. Es ist nicht übertrieben, dass ich ihn als den einzigen wahren Freund betrachte. Außerdem sind wir beide chronisch pleite, Wodkafans und betrinken uns mitunter am Strand. Was mir bei ihm besonders gefiel, war, dass er mich niemals angebaggert hat.
Louis verdient sich den Lebensunterhalt als freier Journalist und sicherte sich mit unbedeutenden Artikeln seine Existenz. Wenn es überhaupt nicht lief, räumte er in einem Supermarkt Regale ein. Wie alle der Zunft träumte er von dem Durchbruch.
»Na, heute schon Madonna interviewt?«, fragte ich ironisch. »Ach halt, die ist ja gerade in London.«
»Mach dich nur lustig«, gab er beleidigt zurück. »Die Zeit wird kommen.«
Ich grinste. »Seitdem wir uns kennen, sagst du das.«
Er rückte näher an mich heran und flüsterte: »Ich bin an einer riesigen Sache dran.« So als befürchte er, beschattet zu werden, schaute er sich um.
»Ah ja.« Was sollte ich darauf antworten, ohne erneut zu stänkern? »Was denn?«
»Das kann ich dir noch nicht sagen.«
»Ach, sei nicht so wortkarg.« Eine meiner Schwächen war eine ungesunde Neugier. »Wir sind Freunde.«
»Okay, es geht um einen bedeutenden Typ und um eine verschleierte Vergewaltigung.«
Ich pfiff durch die Zähne.
»Sobald ich sämtliche Beweise zusammenhabe, lasse ich die Bombe platzen.«
»Ich wünsche es dir.« Das meinte ich ehrlich. »Falls du berühmt und reich wirst, nimmst du mich bitte in dein neues Leben mit.«
»Versprochen.« Er lachte und fuhr sich mit den Händen durch sein unrasiertes Gesicht. »Das brauchst du nicht zu erwähnen, das ist selbstverständlich.«
»Wie bist du auf die Story aufmerksam geworden?« Bevor ich mich auf den Weg machte, wollte ich zumindest eine Kleinigkeit aus ihm herauskitzeln.
 Louis beugte sich vor. »Ich kenne ein Zimmermädchen aus dem Ritz-Carlton-Hotel, da ist es passiert.«
»Es hört sich spannend an.« Ich rutschte von dem Barhocker und warf drei Dollar auf den Tresen. »Ich muss mir das Geld für die Miete verdienen.«
»Wenn das alles klappt, Sky …«, er legte seine Hand auf meinen Arm, »… dann musst du das nicht mehr tun.«
Ich zuckte mit den Schultern. »Wir werden es sehen.«
Mit den Fingern zupfte ich das viel zu kurze Minikleid in Form und balancierte meinen Körper aus, da die mörderischen High Heels mir nach wie vor Probleme bereiteten. Die Art von Schuhen gehört normalerweise nicht zu meinen Favoriten, da ich mir verkleidet vorkomme. Was ich genau genommen auch bin. »Bis die Tage.«
»Pass auf dich auf Scarlett.« Louis gestattete ich als einzigen Menschen, mich damit anzusprechen. Der lächerliche Name, den jeder unweigerlich mit dem Film »Vom Winde verweht« verbindet, hätte nicht unpassender sein können. Ich weiß nicht, was sich Mum dabei gedacht hat. Vermutlich nichts. Aus dem Puppennamen machte ich irgendwann Sky, und ich finde, dieser passt sehr gut zu mir.
Der Tumult vor dem Lokal hatte zugenommen. Etliche Schaulustige standen in einer Traube um die kreischende Frau herum. Ein Polizist näherte sich, aber sie trat um sich. Eine Sekunde sah ich in das verzerrte Gesicht und auf das ausgemergelte Wesen. Immer wenn ich die zugedröhnten Junkies sehe, stelle ich fest, dass es mir verhältnismäßig gut geht.
Zügig quetschte ich mich an den Neugierigen vorbei. Aus einer Kneipe, ein paar Meter weiter, schallte Popmusik, am Himmel kreiste ein Polizeihubschrauber und leuchtete die Gegend aus. Ein ganz normaler Abend in Venice Beach. Denn sobald die Dunkelheit einbricht, tauchen die düsteren Gestalten auf den Straßen auf. Sogar die feinen Stadtbezirke wie Beverly Hills, rund um den Sunset Boulevard, werden für Touristen zur No-go-Area. Jeder kennt die Geschichte von Pretty Woman und einem glücklichen Ende mit ihrem reichen Prinzen. Der Hollywood-Schmachtfetzen beschreibt das Leben der Straßenhuren, aus meiner Sicht, als ein aufregendes Abenteuer. Die coole Freundin, die Kaugummi kauend ihre Freier aufreißt und die Bad Boys, die nicht wirklich böse sind, zeigen eine Welt, die es nicht gibt. Sie ist um ein Vielfaches dreckiger und widerlicher, aber das will niemand in einem romantischen Film sehen.
Meine Mutter fickte mit den Kerlen umsonst, ich tue es für Geld. Das Verrückte daran ist, dass ich nicht den üblichen Vorstellungen einer Hure entspreche. Ich habe weder üppige Titten noch einen fetten Arsch. Im Gegenteil, mich hat die Natur mit wenig Busen bedacht, meine Figur ist knabenhaft und ich messe gerade mal einen Meter fünfundsechzig. Die blonden Haare trage ich kurz und ich verzichte auf ein aufreizendes Make-up. Ohne zu übertreiben, gehe ich als Teenager durch, zumindest für die Freier, die gern mit jungen Mädchen ficken. Das ist mein Kapital.
Unvorstellbar, wie viele Männer es gibt, die ihren Schwanz in eine jungfräuliche Möse stecken wollen. Je älter, desto geiler auf blutjunges Fleisch.
Es existieren ein paar Straßenzüge, die sind zuhälterfrei. Einige der Typen, die »Pferdchen« für sich laufen lassen, kenne ich. Wir sind hier aufgewachsen und sie kümmern sich nicht um mich. Das ist ein echtes Privileg. Es existiert ebenfalls keine Freundin, mit der ich eine Wohnung teile. Das Appartement ist ein Rückzugsort, den ich für mich allein beanspruche.
Ich bin mir im Klaren darüber, dass ich ein Risiko eingehe, sobald ich in ein Auto steige. Glücklicherweise bin ich bislang nicht in eine brenzliche Lage geraten.
Aus Faulheit arbeite ich nur, wenn das Geld beginnt knapp zu werden. Das wiederum steigert den Marktwert. Nicht stets verfügbar zu sein, weckt Begehrlichkeiten. Das schließt aus, dass ich in einem Klub oder Bordell anschaffe. Dort bin ich gezwungen, mich Regeln zu unterwerfen, und das nervt mich. Gestern habe ich festgestellt, dass ich bereits über ein Jahr an der Straße stehe. Wie die Zeit davonrennt. Mittlerweile gibt es Stammfreier, mit denen ich mich verabrede. Eine komfortable Sache, denn man weiß, was einen erwartet.
Heute Nacht jedoch musste ich auf neue Freier hoffen. Das war zwingend erforderlich, da ich die Miete vorgestern hätte bezahlen müssen.
Die ersten Autos mit potenziellen Kunden fuhren im Schritttempo an mir vorbei. Saßen mehrere Jugendliche darin, konnte ich mich getrost zurücklehnen. Die machten sich einen Spaß daraus, »Nutten-Watching« zu betreiben. Ich hatte schon überlegt, dass ich wie im Zoo Eintritt verlangen sollte.
Es dauerte nicht lange, bis ein Kombi vor mir hielt und die Beifahrerscheibe sich mit einem leisen Brummen öffnete. Mit aufgesetztem Lächeln trat ich an das Fahrzeug heran. Sofort registrierte ich den Kindersitz auf der Rückbank. Ein Zeichen, dass ich nicht allzu viel zu befürchten hatte. Außerdem sah er wie ein typischer Ehemann aus, der gerade aus dem Büro kam und ein wenig Entspannung suchte, bevor es zurück ins prüde Familienidyll ging.
»Hey, Mädchen, wie alt bist du?«
Ich steckte den Kopf durch das Fenster und flüsterte mit verstellter, piepsiger Stimmlage: »Sechzehn.«
Natürlich wusste er, dass ich log, aber die Männer wollten das hören.
»Geil«, entfuhr es ihm. »Was kostet der Spaß?«
»Blasen ohne ficken, nur mit Gummi, zwanzig Mäuse, das Sorglospaket, blasen, ficken und mich lecken, sechzig.«
»Gibt es eine Zeitbegrenzung?«
»Maximal ne halbe Stunde. Für dich würde ich auch etwas großzügiger sein.« Ein bisschen nett sein konnte nicht schaden.
»Steig ein.« Die Stimme klang rau und Schweißtropfen hatten sich auf der Stirn gebildet. Die Aufregung ließ darauf schließen, dass er kaum Erfahrung mit Huren hatte.
»Hast du dich entschieden?«, fiepte ich und schaute ihn mit einem Augenaufschlag an. Vielleicht gelang es mir, ihm  ein paar extra Dollars aus der Tasche zu ziehen.
»Das Sorglospaket, und kannst du mich Daddy nennen?« Er sah mich mit lüsternen Augen an und die wurstigen Finger krallten sich um das Lenkrad.
»Da musst du noch einen Zehner drauflegen.« Wie ich Rollenspiele hasste.
»Einverstanden.« Er zog aus der Hosentasche einen Hunderter.
Hoffentlich will er den nicht gewechselt haben, schoss es mir durch den Kopf.
»Kleines, das passt so.«
Wie spendabel, damit hätte ich nicht gerechnet.
»Danke, Daddy«, säuselte ich. »Für die Kohle könnten wir auch in ein Motel.«
»Nein, ich möchte mein Girl im Dunklen vernaschen.«
Ich nickte und lotste ihn zu einem Parkplatz, auf dem nicht allzu viel »Verkehr« herrschte. Auf der Fahrt überlegte ich mir, wie ich es bei seiner Körperfülle anstellte, ihn zu ficken. Ebenso bemerkte ich bei ihm eine wachsende Anspannung. Um ihn ein bisschen zu beruhigen, wanderte meine Hand zu seinem Hosenschritt.
»Daddy, entspann dich!«, flüsterte ich und rieb über den Stoff. Das entlockte ihm ein leises Stöhnen.
»Ich bin so geil auf die kleine Fotze«, sabberte er und ich setzte ein zuckersüßes Lächeln auf.
 Kaum hatten wir geparkt, öffnete er hektisch den Reißverschluss und sein eher schlapper Penis kam zum Vorschein. Ein Freier mit Erektionsprobleme hatte mir gerade noch gefehlt. Mit einem unmerklichen Seufzer fing ich an zu rubbeln.
»Dein Mädchen freut sich schon auf Daddys Schwanz«, versuchte ich ihn anzufeuern. »Ich wünsche mir einen großen harten Fickschwanz, der meine süße Muschi ausfüllt …«
»Ja, ja … er wächst«, kommentierte er das bislang traurige Ergebnis.
Oftmals hilft Dirty Talk, da der Kopf auf eine eigene Reise gehen muss.
»Ich kann es kaum abwarten, bis ich den Prügel in mir spüre.«
»Ja«, hechelte er hervor.
Ich mache doch hier keinen Telefonsex, dachte ich genervt.
»Welches Loch liebst du mehr? Das feuchte vorn oder das enge hinten?«
»Beide!«
Ich werde wahnsinnig!
Ich musste mich zusammenreißen, um nicht rapid zu werden.
Geduldig arbeitete ich mich an dem kleinen Teil ab. Mit der Handarbeit erreichte ich nichts. Es gibt selten etwas Schlimmeres, als ein schlaffes Männerglied in den Mund zu nehmen. Mit Mühe gelang es mir, das Gummi über die Eichel zu stülpen. Ein Bild des Jammers.
»Jetzt wird die liebe Püppi ein bisschen an Daddys Stange lutschen.«
So kriege ich den niemals rein!
Es artete in Schwerstarbeit aus. Glücklicherweise entsprach das nicht der Regel. Üblicherweise kamen die Kerle mit einer prallen Latte und es ging immer verhältnismäßig zügig.
»Lach mich aus, und sage mir, dass mein Pimmel winzig ist.«
Ich verdrehte die Augen. Ah, daher weht der Wind!
»So ein impotenter Minipisser, das ist einfach ein armseliger Anblick«, kicherte ich. »Schlappschwänzchen …«
»Ich bin kein echter Mann, ich habe noch nie eine Frau befriedigen können«, jammerte er.
»Wie auch, bei dem mickrigen Ding!«, legte ich nach. »Ja, du bist so mies, du bist eine Lachnummer, wer dich ficken muss, schläft ein.«
Endlich wuchs der kümmerliche Minischwanz und ich schöpfte Hoffnung. Ich bin gut bei dem, was ich tue, und ich weiß genau, was die Freier brauchen, aber das Repertoire ist irgendwann erschöpft.
»Wichs dich selbst«, befahl ich. In dem Fall half vermutlich als letztes Mittel nur eine klare Ansage.
Erfreulicherweise riss er sich hektisch das Gummi herunter.
»Ja, meine Herrin, ich schenke Ihnen meine Ficksahne.«
»Spritz, du Sau«, schnauzte ich ihn an. »Du hast noch eine Minute.«
»Ich schaffe das, ja … ja …« Sein Kopf hatte mittlerweile die Farbe einer überreifen Tomate angenommen. Ich wollte nur eines: Es so schnell wie möglich beenden! Zum Glück kommen wenig Kunden zu mir, die eine dominante Hure suchen. Das liegt wahrscheinlich an meinem Aussehen. Wer sucht schon eine Herrin, die wie ein junges Mädchen aussieht. Bei dem Typ vermischten sich die Fantasien. Aber was juckte es mich!
Fasziniert beobachtete ich, wie tatsächlich aus dem kleinen Pimmelchen ein paar Tröpfchen Sperma herausliefen.
»Hat doch letztendlich geklappt«, lobte ich ihn. Manches Mal brauchen sie Zuspruch und Normalität, wenn der Rausch der Geilheit vorüber ist.
»Na ja«, brummte er und stopfte seinen Penis oder das, was übrig geblieben war, in die Hose.
»Bringst du mich zurück?«, fragte ich höflich. Statt dem Wunsch, was durchaus üblich ist, nachzukommen, fing er zu stänkern.
»Ich will Geld zurück, da ich nicht gefickt habe.«
»Bitte was? Was kann ich dafür, dass du keinen hochkriegst?« Meine Tonlage nahm einen rotzigen Unterton an.
»Du dreckige Hure, raus aus dem Auto«, fuhr er mich an. »Euch müsste man alle auf Guantanamo einsperren und verrotten lassen.«
»Du Flachwichser!« Wütend riss ich die Autotür auf und sprang heraus und hoffte, dass er mich in Ruhe ließ. Eine weitere Eskalation wollte ich vermeiden.
Mit Vollgas raste er davon und ich atmete erleichtert auf. Nichtsdestotrotz eine beschissene Situation, auf dem Parkplatz zurückgelassen zu werden. Neben den Mühen zurückzukommen, birgt es Gefahren. Wir Straßenhuren sind für viele Männer Abschaum und sie glauben auch, uns so behandeln zu können.
Genervt zog ich die High Heels aus und marschierte los. Vielleicht hatte ich Glück und es erbarmte sich jemand, mich mitzunehmen. Tatsächlich hielt kurze Zeit später ein Truck. Ich empfinde stets Respekt vor diesen monströsen Fahrzeugen. Wenn sie an einem vorbeirauschen spüre ich, wie unbedeutend und endlich das Leben ist. Es bedürfte keinerlei Anstrengungen, mich in die ewigen Jagdgründe zu befördern. Über den eigenen Tod nachzudenken macht den meisten Menschen Angst. Mir ist das egal und ich betrachte es eher pragmatisch. Wünschenswert ist natürlich ein schöner Tod. Zum Beispiel beim Sex. Das stelle ich mir reizvoll vor. Ein geiler Orgasmus und dann gehen die Lichter aus.
Währenddessen ich über mein Ableben philosophierte, betrachtete ich den Fahrer. Ich gestehe, dass ich auf Kerle mit einer raubeinigen Ausstrahlung stehe. Groß, muskulös, unrasiert und wenig zimperlich in der Ausdrucksweise. Mit den Attributen verknüpfe ich die Art von Sex, auf die ich abfahre. Hart und schmutzig, das bringt mich auf Touren. Ich liebe es, in unterschiedlichsten Stellungen rangenommen zu werden und zum Finale möchte ich, dass er das Sperma in mein Gesicht und auf die Titten spritzt.
»He, hast du Lust auf eine kleine Pause?«, platzte es aus mir heraus. An meine sexuellen Vorlieben zu denken, brachte das Blut in Wallung. Die Hormone spielten verrückt. Ich war zu einhundert Prozent davon überzeugt, dass der Typ neben mir all das zu bieten hatte.
»So einen außerplanmäßigen Stopp?« Er blinzelte mir zu. »Dafür bezahle ich allerdings nicht.«
»Sieht man mir das an?«, fragte ich erschrocken.
»Nicht wirklich, reine Spekulation.«
»Ich brauche ein bisschen Spaß nach dem blöden Tag und das ist kostenlos.« Ich grinste ihn frech an.
»Das Angebot kann ich natürlich nicht ablehnen.« Er legte die Hand auf mein Knie. »Aber ich warne dich, ich besitze einen sehr großen Schwanz.«
»Was anderes hatte ich nicht erwartet.«
»Du bist ein geiles Luder«, raunte er und setzte den Blinker, um von dem Highway abzufahren. »Sollte dir mein Riemen nicht reichen, ich kenne noch zahlreiche Kollegen, die mich dabei unterstützen könnten, es dir zu besorgen.«
»Falls du denkst, ich zitterte vor Angst, dass mich jetzt gleich eine Reihe von Kerlen rannimmt, muss ich dich enttäuschen. Je härter, desto besser.« Die Triebe übernahmen die Herrschaft. Spielerisch fuhr ich mit den Finger durch die nasse Pussy und schob ihn in den Mund. »Probier mal.«
 »Wahnsinn«, murmelte er. »Ich glaube es gerade nicht.« Ein paar Minuten später hatte er einen Stellplatz gefunden und das Brummen der schweren Maschine erstarb.
Erregt beugte er sich zu mir. »Lass mal sehen. Der Anblick einer Möse bringt mich richtig in Stimmung.«
Lustvoll spreizte ich die Beine und gewährte ihm den gewünschten Aus- beziehungsweise Einblick. Mit dem Daumen massierte er die Klitoris. Genussvoll schloss ich die Augen und gab mich dem Prickeln hin.
»Hammergeil!« Er kam gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus.
»Tja, die überraschenden Erlebnisse sind meist die schönsten«, hauchte ich, da ich nicht länger reden wollte. »Nur noch eine Bitte«, fügte ich einen letzten Satz hinzu. »Ich will keinen Blümchensex!«
»Mache dir mal keinerlei Sorgen, du kriegst, was du brauchst.«
Mit den Worten öffnete er die Hose und spätestens jetzt wurde mir klar, dass mir eine geile Nacht bevorstand.

 

***

 

2.  Kapitel

Elay

Mit ruhiger Hand öffnete ich den silbernen Koffer und strich nahezu andächtig über das wichtigste Equipment meiner Arbeit. Für mich fühlt es sich so an, als streichle ich die zarte Haut einer Frau. Ich komme jedes Mal ins Schwärmen.
Ein integralschallgedämpftes Gewehr, präzise und für unterschiedliche Positionen verstellbar, ist der Impuls für meine Bewunderung. Eine Sonderanfertigung, speziell nach meinen Wünschen gefertigt. Letztendlich agiert ein Scharfschütze nur so gut, wie die Waffe es hergibt. Ich musste gut sein, sogar sehr gut. Fehler sind in diesem Job unverzeihlich und können fatale Folgen mit sich bringen.
Das Zusammensetzen der Einzelteile dauert nur wenige Augenblicke und was noch viel zügiger geht, ist das Zerlegen nach vollendeter Lieferung.
Schnelligkeit, Präzision in allem, was ich tue, reaktionsschnelles Handeln und völlige Emotionslosigkeit sind die wichtigsten Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Ich töte Menschen für Geld und ich bin einer der Besten. Die Aufträge aus dem Darknet sowie über verschlüsselte Wege lassen mich ein sorgenfreies Leben führen. Wer gut ist, kann den Preis bestimmen.
Die Briten haben vor einigen Jahren tatsächlich eine Studie durchgeführt, die das Honorar und die Typologie meines Berufsstandes beleuchtet. Eine interessante Betrachtung, der ich durchaus zustimme.
Der Novize, der zum ersten Mal mordet. Der Amateur, der in der Regel keinerlei strafbare Vorgeschichte hat und den Job aufgrund finanzieller Probleme annimmt. Der Geselle, der zwar kriminelle Erfahrung hat, aber bislang keinen Mord begangen hat. Abschließend der Meister, der oft einen militärischen Hintergrund hat und besonders schwer zu fassen ist. Es erübrigt sich die Frage, welcher Kategorie ich angehöre.
Die von mir durchschnittlich geforderte Kostenerstattung beträgt einhunderttausend Dollar und wird von der entsprechenden Klientel gern gezahlt.
Nicht zu vergessen ist eine hervorragende körperliche Fitness. Manchmal erfordert eine reibungslose Durchführung eine außergewöhnliche Position, die zum Beispiel nur durch waghalsige Kletteraktionen erreichbar ist.
Der heute zu erledigende Job stellte für mich nicht die Spur einer Herausforderung dar. Wie sooft blieb mein Kunde im Dunklen. Es ist eine meiner häufigen Arbeitsweisen, denn wenn ich nicht weiß, wer sich hinter dem Auftraggeber verbirgt, den kann ich, in dem eher unwahrscheinlichen Fall einer Verhaftung, nicht denunzieren. Somit ist es ein Schutz für beide Parteien.
Ich erwarte umfangreiche Informationen über die Zielperson und einen Termin, bis wann alles abgeschlossen sein sollte. Die Details, an welchem Tag und an welchem Ort, bestimme ich nach ausführlichen Recherchen.
Mit der zunehmenden Optimierung des Darknets nutze ich vermehrt die spezielle Währung, die Bitcoins, um mich bezahlen zu lassen. Eine digitale Geldbörse, die den entsprechenden Dienstleistern Anonymität gewährleistet.
Den Standort, auf dem Dach eines Bürogebäudes in New York City, hatte ich als ideal bewertet. Die Gewohnheiten des Opfers genau studiert, wusste ich, dass er dreimal in der Woche, exakt um 13.00 Uhr, das Gebäude verließ, um sich mit seiner Geliebten zu treffen. Gleicher Ort, dieselbe Uhrzeit und wiederkehrende Handlungsmuster machten es mir leicht, meine Arbeit zu erledigen. Um die Zeit stand die Sonne in einem perfekten Winkel und der Weg des Rückzugs durch verschiedene Treppenhäuser barg keinerlei Risiko. Anschließend freute ich mich auf eine Verabredung mit einer attraktiven Frau. Dazu hatte ich einen Tisch bei meinem Lieblingsitaliener reserviert, den ich regelmäßig aufsuchte, wenn ich mich in New York aufhielt. Eine meiner Eigenschaften ist eine Konstanz in unterschiedlichen Lebensbereichen. Ich bin viel auf Reisen und in jeder Stadt gibt es besondere Restaurants, die ich wiederholt aufsuche. So werde ich in der Fremde wie ein Freund begrüßt.
Im Allgemeinen genieße ich eine hervorragende Reputation in der Gesellschaft und bin ein gern gesehener Gast auf wichtigen Empfängen und Veranstaltungen. Ohne zu übertreiben, bin ich ein wahrer Gentleman und Sympathieträger. Die Charakteristika erleichtern mir das Doppelleben. Niemand ahnt von den Geheimnissen, und das ist gut so.

Fünf Minuten vor dreizehn Uhr begab ich mich in die Position, die ich bereits bei den Vorbereitungen festgelegt hatte. Um keine DNA-Spuren oder Fingerabdrücke zu hinterlassen, trug ich einen Schutzanzug, den ich blitzschnell herunterreißen und in einer Tasche verstauen konnte.
Mein Pulsschlag erhöhte sich nicht, als ich durch das Zielfernrohr den Mann ins Visier nahm, der in den nächsten einhundertzwanzig Sekunden sein Leben ausgehaucht hatte.
»Wie immer alles meisterhaft«, murmelte ich, mein Zeigefinger krümmte sich und geschmeidig löste sich der Schuss.
Wie durch ein Drehbuch diktiert, spielte sich die deckungsgleiche Szene ab: Das Opfer sackte zusammen, die ersten Personen um ihn herum fingen an zu kreischen und ein Tumult entstand. Das stellte sich als ein idealer Zeitpunkt dar, um mich zurückzuziehen. Bis dahin hatte ich mein Schätzchen auseinandergebaut und verstaut. Ich hatte trainiert, bis ich es fehlerfrei, blind und innerhalb von zwanzig Sekunden erledigt hatte.
In weniger als fünf Minuten verließ ich das Gebäude, ohne den Aufruhr vor dem gegenüberliegenden Haus zu beachten.
Ich stieg in ein Taxi und kehrte in meine Unterkunft zurück. Vor dem Restaurantbesuch wollte ich ein paar private Angelegenheiten erledigen sowie mir eine ausgiebige Massage gönnen.
Nicht nur bei der Ausführung meines Jobs bezeichne ich mich als pedantisch. Es ist für mich zwingend erforderlich, dass alles an seinem Platz liegt. Nichts ist mir mehr zuwider als Unordnung. Bereits beim Betreten des Hotelzimmers fiel mir auf, dass das Zimmermädchen nicht sorgfältig gearbeitet hatte. Die Unterlagen, Blöcke, Stifte, die ein Hotel auf dem Schreibtisch auslegt, waren verschoben. Marginal, für die meisten nicht sichtbar, rückte ich Kugelschreiber und die Informationsbroschüren gerade. Ich schaltete den Fernseher an, um mich zu informieren, in welchem Umfang über meine Arbeit berichtet wurde. Zufrieden hörte ich, dass sich die Polizei beeindruckt von dem Präzisionsschützen zeigte. Man sondiere die umliegenden Dächer. Von dem Standort, der am ehesten infrage kam, gab es kaum verwertbare Spuren.
»Was glaubt ihr denn?«, brummte ich und machte den Apparat aus. Ich hatte genug gesehen.
Um mit meinem Schätzchen ungestört reisen zu können, bedurfte es spezieller Maßnahmen, sodass ich die Sicherheitschecks an den Flughäfen problemlos passieren konnte. Die Sonderanfertigung, unter anderem aus Carbon, ließ sich in weitere Einzelteile auseinandernehmen. Ich hatte mit einem Röntgengerät die Aufteilung der Teilstücke in dem Koffer ausprobiert, bis diese nicht als Waffenbestandteile ausgemacht wurden. Von dem Lauf trennte ich mich generell nach Abschluss des Auftrags. Durch das Ausfräsen entsteht eine einzigartige Rillenführung, gleich einem Fingerabdruck. Die Patronen weisen dieselben Merkmale auf. Ohne die Vorgehensweise wäre es ein Leichtes, den Weg zurückzuverfolgen und zwischen den Morden eine Verbindung herzustellen. Durch die strengeren Sicherheitskontrollen ging ich mit jedem Flug ein Risiko ein. Unabhängig von den großen Distanzen in dem Land, die mich zum Fliegen zwangen, liebte ich die Gefahr. Es verschaffte mir einen Kick, auf den ich mir am liebsten einen runtergeholt hätte.

Nach einer ausgiebigen Dusche klopfte es bereits an der Tür. Die Masseurin betrat pünktlich das Zimmer. Es überraschte mich wiederholt, dass zierliche Frauen über eine solche Kraft verfügen, um die verspannten Muskeln bis in die Tiefe zu lockern. Entspannt legte ich mich auf die mitgebrachte Liege. Erfreulicherweise verhielt die Dame sich schweigsam. Ich hasse es, wenn man versucht, mir ein Gespräch aufzuzwingen.
Bis auf eine Narbe am rechten Oberschenkel war ich mit meinem durchtrainierten Körper zufrieden. Das Andenken stammt aus der Zeit bei den US Marines. Ein Moment der Unachtsamkeit und eine Kugel erwischte mich. Die Wut darüber löste eine heftige Reaktion aus und ich streckte zwei Gegner mit gezielten Kopfschüssen nieder. Das spritzende Blut und wie sie zusammensackten, bereiteten mir Genugtuung. Wir befanden uns im Kampfeinsatz und der Zeitrahmen hatte leider nicht gereicht, sonst hätte ich sie mit mehreren Schüssen langsam sterben lassen.
Glücklicherweise erlangte ich meine Gesundheit vollständig zurück. Diszipliniert verfolgte ich das Ziel, meine Fitness auf den alten Level zu trainieren. Manch einer mag mich für die strikte Ernährungsweise sowie den Verzicht auf Nikotin und Alkohol für einen Gesundheitsfanatiker halten. Es passt jedoch zu mir, denn mein gesamtes Leben bestand und besteht aus Extremen. Mittelmaß ist für mich inakzeptabel.

Durch die streichenden Bewegungen der Zauberhände glitten die Gedanken ab. Der heutige Auftrag brachte mir die stattliche Summe von achtzigtausend. Die Hintergründe, warum der Auftrageber den Kerl loswerden wollte, blieben dieses Mal im Dunklen. Ab und zu erfahre ich das Motiv, allerdings ist es mir egal. Dass ich nach der Entlassung aus der Armee den Weg eines Auftragskillers einschlug, lag an einem Freund. Sam, der als Legionär für ein verhältnismäßig geringes Salair in der Welt herumreiste, löste einen Denkprozess aus. Ich überlegte, ob es etwas Vergleichbares, aber Lukrativeres gab. Bei den gefährlichen Kriegseinsätzen stumpfte ich ab und ein Menschenleben verlor an Bedeutung. Es lag nahe, meine Fähigkeiten anderweitig einzubringen. Ich bin ein Spieler und Abenteurer. Bei den Recherchen stieß ich auf das Darknet. Ein digitales Paralleluniversum, in dem man sicher und nicht nachverfolgbar surfen kann. Es ist eine Plattform für den Handel mit illegalen Gütern. Waffen, falsche Papiere, Verschieben von Hehlerware und Serviceangebote aller Art. Ich gab eine Anzeige auf, so als verkaufe ich ein Auto oder suche eine Wohnung. Zunächst Unbekannt, dauerte es eine Weile, bis jemand an mich herantrat. Für mich war es ebenfalls ein Test. Empfand ich Skrupel? Kurz gesagt: Ich blieb gelassen und verspürte kein Mitleid.
Nach vier Jahren in dem Business fragt man die Dienstleistung von »Marvin B. Smith«, so mein Darknet-Pseudonym, an und ich picke mir die Rosinen heraus. Ab und zu spiele ich mit den Gedanken aufzuhören. Finanziell habe ich ausgesorgt. Eine innere Stimme klopft vermehrt an, das Risiko nicht unnötig in die Höhe zu treiben. Es wird der richtige Zeitpunkt kommen und den werde ich erkennen.

Ich freute mich auf den Abend mit Larissa. Wir hatten uns vor einiger Zeit hier in New York auf einer Vernissage kennengelernt. Eine angenehme und attraktive Gesellschafterin. Allerdings erfüllt sie nicht wirklich mein Verständnis von Schönheit. Die operierte Einheitsnase, die Silikonbrüste und ihr durch Botoxunterspritzungen aalglattes Gesicht waren für mich eine Spur zu viel Unnatürlichkeit. Larissa unterwarf sich jedoch nur den üblichen Erwartungen einer Dame der amerikanischen Upperclass.
Ich hingegen mag zierliche Frauen und ein großer Busen ist mir nicht wichtig. Weiterhin liebe ich braune Augen. Sie müssen dennoch eine besondere Wirkung auf mich haben. Ich nenne es den Rehkitzblick, der hilflos wirkt, und das macht mich sexuell an.
Sich bei zügellosem Sex fallenzulassen ist der einzige Moment, wo ich bereit bin, meine Disziplin bewusst zu ignorieren. An Sex mangelte es mir nicht. Ob ich will oder nicht, umgibt mich eine gewisse Aura, etwas Geheimnisvolles, der streunende Wolf, und dem erliegen die willigen Perlen reihenweise.
Meine sexuellen Präferenzen tendieren zu den härteren Praktiken. Kuschel- und Blümchensex schließe ich aus, es langweilt mich schlichtweg. Ich mache daraus keinerlei Geheimnis. Larissa gehört zu denen, die die erbarmungslose Gangart erst durch mich entdeckt hat. Ich dominiere sie und sie hat sich zu fügen. Selbstbewusste Frauen beim Sex zu beherrschen, ist ein befriedigendes Gefühl. Das Verhalten ist fest in mir verwurzelt und ich muss es nicht vortäuschen. Mit der kühlen Larissa erwartet mich heute Abend ein ausgiebiges Intermezzo. Vielleicht schleife ich sie auf das Dach eines Hochhauses und spiele mit ihrer Angst. Ein reizvoller Gedanke.
Bei der Erinnerung an unsere gemeinsamen Erlebnisse prickelte es ausgesprochen angenehm. Wie ihre wohlgeformten Lippen meinen Schwanz umschlossen und sie in demutsvoller Haltung mit einem Augenaufschlag vorher um Erlaubnis bat. Das langsame Steigern der Lust verursachte bittersüße Qualen. Ihr Stöhnen, wie sie um Erlösung bat, endlich gefickt zu werden. Fordernd hatte ich ihren Oberkörper auf die Tischplatte gedrückt und einen Ledergürtel um ihren Hals gelegt. Ich zwang sie, ihre Beine zu spreizen, sodass sie sich kaum noch auf ihren hohen Schuhen halten konnte. Der Anblick ihrer vor Nässe glitzernden Spalte und ihre Gegenwehr, all das löste gerade mehr als nur ein Kribbeln im Unterleib aus. Das Spiel der Unterwerfung ist grenzwertig und in dem Rausch, der mich erfasst, muss ich vorsichtig sein, dass ich nicht zu weit gehe.
Die Erektion nahm kontinuierlich zu und ich musste aufpassen, dass die Masseurin keine falschen Schlüsse zog. Obwohl ich bereits andere Dinge erlebt habe. Eine interessante Empfindung, eindeutige Avancen von einer Frau nach einer Ganzkörpermassage zu erhalten. Augenblicklich spielte sich die Szene in meinen Gedanken ab.
Ihre Hände glitten sanft an Stellen, die unbestreitbar nicht zu einer medizischen Massage gehörten.
»Gefällt dir dass?«, gurrte sie unvermittelt.
»Ich bin ein Mann mit einer gesunden Libido.« Ich ließ die Augen geschlossen und beschloss die unerwartete Offerte zu genießen. Da ich wie üblich auf dem Hotelzimmer massiert wurde, stand einem entspannten Erlebnis nichts im Wege.
Immer auf der Hut raunte ich jedoch: »Übrigens ist deine unmissverständliche Einladung auf meinem Smartphone aufgezeichnet.« Es lag stets direkt neben mir und es hatte keinerlei Aufwand bedurft, die Aufnahmetaste zu betätigen.
Sie hatte mich irritiert angesehen.
»Eine Vorsichtsmaßnahme, dass du mir nicht eine Belästigung oder Vergewaltigung unterstellst.«
»Du hast eine blühende Fantasie.«
»Das muss wohl an meinem Job liegen.«
»Ich weiß auch nicht, warum ich plötzlich so unfassbar erregt bin«, gestand sie, dabei wirkte sie nach wie vor sehr selbstbewusst.
»Soso! Dann zeig mal, was du kannst.« Welcher Mann lehnt eine solch reizvolle Offerte ab?
Oh ja, sie hatte es drauf. Mein Schwanz bekam eine Massage, die es in sich hatte. Aus der bedächtigen Physiotherapeutin entwickelte sich ein Vamp, der fickte, als gäbe es kein Morgen.
Ja, ein aufregendes Erlebnis, an das ich gern zurückdenke. Wie sie bettelte, dass ich auf ihren Körper und in ihr Gesicht spritze. Kniend und vor Gier zitternd genoss sie es, wie ihr die Säfte über die Brüste, die Wangen und Lippen liefen. Ein geiler Anblick, den ich seitdem öfters von meinen Gespielinnen einfordere.

Das Klingeln des Handys holte mich aus den erotischen Erinnerungen. Mit einem Seufzer nahm ich das Gespräch an.
»Mr. Shaw?«, vernahm ich eine mir unbekannte Stimme.
»Kommt darauf an.« Ich runzelte die Stirn. Für meine Aufträge benutzte ich wechselnde Prepaid-Telefone, sodass der Anruf in einem anderen Zusammenhang stehen musste.
»Ich rufe an, weil Sie mir empfohlen wurden.«
»Empfehlungen sind immer von Vorteil. Möchten Sie eine Immobilie verkaufen oder erwerben?« Der Beruf des Immobilienmaklers, der landesweit operierte, hatte sich bewährt.
»Sie sind mit einem Sam befreundet?«
»Ich kenne mehrere mit dem Namen.« Jedoch ahnte ich, dass er den Fremdenlegionär meinte. Das signalisierte mir mein Instinkt.
Mit einer Handbewegung forderte ich die Masseurin auf, das Zimmer zu verlassen. Die prickelnden Gedanken und somit die erquickliche Erektion hatten sich in Luft aufgelöst.
»Mein Name ist Morris, James Morris aus L.A.«
»Ja, ich habe von Ihnen gehört.« Ein aufstrebender Politiker, der gute Chancen besaß, der nächste Gouverneur von Kalifornien zu werden. Die Art, wie er zu Macht und Reichtum kam, wurde im Wahlkampf heiß diskutiert. Schlammschlachten sind ein beliebtes Mittel, um unliebsame Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Meines Wissens agierten Morris und sein Herausforderer auf recht niedrigem Niveau.
»Ich möchte mich gern mit Ihnen treffen. Ihr Freund Sam versicherte, Sie sind der beste Makler des Landes.«
Bis jetzt verlief das Gespräch inhaltlich unverdächtig. Ich fragte mich natürlich, warum er einen Profikiller suchte. Vielleicht plante er, den Wahlsieg durch den Tod des politischen Widersachers abzusichern.
»Das lässt sich einrichten. Ich bin zur Zeit in Chicago.« Der korrekte Aufenthaltsort ging ihn nichts an.
»Ist es Ihnen möglich, zeitnah unserer schönen Stadt einen Besuch abzustatten?«
»Nennen Sie mir Ihre Kontaktdaten, ich melde mich, wenn ich in L.A. bin.«
Ich notierte die Nummer, die Morris durchgab, und beendete das Telefonat.

Zweifelsfrei ein interessanter Anruf, der mich neugierig machte.
»Na dann, auf nach L.A.«, sagte ich zu mir und entsorgte umgehend die SIM-Karte des Telefons. Sekurität hatte oberste Priorität.