Dangerous Affair Leseprobe Kapitel 2 Part 1

Elay


  Mit ruhiger Hand öffnete ich den silbernen Koffer und strich nahezu andächtig über das wichtigste Equipment  meiner Arbeit. Für mich fühlt es sich so an, als streichle ich die zarte Haut einer Frau. Ich komme jedes Mal ins Schwärmen.
 Ein integralschallgedämpftes Gewehr, präzise und für unterschiedliche Positionen verstellbar, ist der Impuls für meine Bewunderung. Eine Sonderanfertigung, speziell auf meine Wünsche gefertigt. Letztendlich agiert ein Scharfschütze nur so gut, wie die Waffe es hergibt. Ich musste gut sein, sogar sehr gut. Fehler sind in diesem Job unverzeihlich und können fatale Folgen mit sich bringen.
Das Zusammensetzen der Einzelteile dauert nur wenige Augenblicke und was noch viel zügiger geht, ist das Zerlegen nach vollendeter Lieferung.
Schnelligkeit, Präzession in allem was ich tue, zögerfreies Handeln und völlige Emotionslosigkeit sind die wichtigsten Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Ich töte Menschen für Geld und ich bin einer der Besten. Die Aufträge aus dem Darknet und über verschlüsselte Wege lassen mich ein sorgenfreies Leben führen. Wer gut ist, kann den Preis bestimmen.
Die Briten haben vor einigen Jahren tatsächlich eine Studie durchgeführt, die das Honorar und die Typologie  meines Berufsstandes beleuchtet. Eine interessante Betrachtung, der ich durchaus zustimme.
Der Novize, der zum ersten Mal mordet. Der Amateur, der in der Regel keinerlei strafbare Vorgeschichte hat und den Job aufgrund finanzieller Probleme annimmt. Der Geselle, der zwar kriminelle Erfahrung hat, aber bislang keinen Mord begangen hat. Abschließend der Meister, der oft einen militärischen Hintergrund hat und besonders schwer zu fassen ist. Es erübrigt sich die Frage, welcher Kategorie ich angehöre.
Die von mir durchschnittlich geforderte und bezahlte Kostenerstattung beträgt einhunderttausend Dollar.
Nicht zu vergessen ist eine hervorragende körperliche Fitness. Manchmal erfordert eine reibungslose Durchführung eine außergewöhnliche Position, die zum Beispiel nur durch waghalsige Kletteraktionen erreichbar ist.
Der heute zu erledigende Job stellte für mich nicht die Spur einer Herausforderung dar. Wie so oft blieb mein Kunde im Dunklen. Es ist einer meiner häufigen Arbeitsweisen, denn wenn ich nicht weiß, wer sich hinter dem Auftraggeber verbirgt, den kann ich, in dem eher unwahrscheinlichen Fall einer Verhaftung, nicht denunzieren. Somit ist es ein Schutz für beide Parteien.
Ich erwarte umfangreiche Informationen über die Zielperson und einen Termin bis wann alles abgeschlossen sein sollte. Die Details, an welchem Tag und an welchem Ort, bestimme ich nach ausführlichen Recherchen.
Mit der zunehmenden Optimierung des Darknets nutze ich vermehrt die spezielle Währung, die Bitcoins, um mich bezahlen zu lassen. Eine digitale Geldbörse mit den entsprechenden Dienstleistern, die Anonymität gewährleistet.
Der Standort auf dem Dach eines Bürogebäudes in New York City, hatte ich als ideal bewertet. Die Gewohnheiten des Opfers genau studiert, wusste ich, dass er drei Mal in der Woche exakt um 13.00 Uhr das Gebäude verließ, um sich mit seiner Geliebten zu treffen. Gleicher Ort, dieselbe Uhrzeit und wiederekehrende Handlungsmuster machten es mir leicht, meine Arbeit zu erledigen. Um die Zeit stand die Sonne in einem perfekten Winkel und der Weg des Rückzugs durch verschiedene Treppenhäuser bargen keinerlei Risiko. Anschließend freute ich mich auf eine Verabredung mit einer attraktiven Frau. Dazu hatte ich einen Tisch bei meinen Lieblingsitaliener reserviert, den ich regelmäßig aufsuchte, wenn ich mich in New York aufhielt. Einer meiner Eigenschaften ist eine Konstanz in unterschiedlichen Lebensbereichen. Ich bin viel auf Reisen und in jeder Stadt gibt es besondere Restaurants, die ich wiederkehrend aufsuche. So werde ich in der Fremde wie ein Freund begrüßt.
Im Allgemeinen genieße ich eine hervorragende Reputation in der Gesellschaft und bin ein gern gesehener Gast auf wichtigen Empfängen und Veranstaltungen. Ohne zu übertreiben bin ich ein wahrer Gentleman und Sympathieträger. Die Charakteristika erleichtern mir das Doppelleben. Niemand ahnt von den Geheimnissen und das ist gut so.

Fünf Minuten vor dreizehn Uhr, begab ich mich in die Position, die ich bereits bei den Vorbereitungen festgelegt hatte. Um keine DNA oder Fingerabdrücke zu hinterlassen, trug ich einen Schutzanzug, den ich blitzschnell herunterreißen und in einer Tasche verstauen konnte.
Mein Pulsschlag erhöhte sich nicht, als ich durch das Zielfernrohr den Mann ins Visier nahm, der in den nächsten Einhundertzwanzig Sekunden sein Leben ausgehaucht hatte.
»Wie immer alles meisterhaft«, murmelte ich, mein Zeigefinger krümmte sich und geschmeidig löste sich der Schuss.
Wie durch ein Drehbuch diktiert, spielte sich die deckungsgleiche Szene ab: Das Opfer sackte zusammen, die ersten Personen um ihn herum fingen an zu kreischen und ein Tumult entstand. Das stellte sich als ein idealer Zeitpunkt dar, um mich zurückzuziehen. Bis dahin hatte ich mein Schätzchen auseinandergebaut und verstaut. Ich hatte trainiert, bis ich es fehlerfrei, blind und innerhalb von zwanzig Sekunden erledigt hatte.
In weniger als fünf Minuten verließ ich das Gebäude, ohne den Aufruhr vor dem gegenüberliegenden Haus zu beachten.
Ich stieg in ein Taxi und kehrte in meine Unterkunft zurück. Vor dem Restaurantbesuch wollte ich ein paar private Angelegenheiten erledigen und mir eine ausgiebige Massage gönnen.
Nicht nur bei der Ausführung meines Jobs bezeichne ich mich als pedantisch. Es ist für mich zwingend erforderlich, dass alles an seinem Platz liegt. Nichts ist mir mehr zuwider als Unordnung. Bereits beim Betreten des Hotelzimmers fiel mir auf, dass das Zimmermädchen nicht sorgfältig gearbeitet hatte. Die Unterlagen, Blöcke und Stifte, die ein Hotel auf dem Schreibtisch auslegt, waren verschoben. Marginal und für die meisten nicht sichtbar, rückte ich Kugelschreiber und die Informationsbroschüren gerade. Ich schaltete den Fernseher an, um mich zu informieren, in welchem Umfang über meine Arbeit berichtet wurde. Zufrieden hörte ich, dass sich die Polizei beeindruckt von dem Präzisionsschützen zeigte. Man sondiere die umliegenden Dächer. Von dem Standort, der am ehesten in Frage kam, gab es kaum verwertbare Spuren.
»Was glaubt ihr denn?«, brummte ich und machte den Apparat aus. Ich hatte genug gesehen.
Um mit meinem Schätzchen ungestört reisen zu können, bedurfte es spezieller Maßnahmen, sodass ich die Sicherheitschecks an den Flughäfen problemlos passieren konnte. Die Sonderanfertigung unter anderem aus Carbon ließ sich in weitere Einzelteile auseinandernehmen. Ich hatte mit einem Röntgengerät die Aufteilung der Teilstücke in dem Koffer ausprobiert, bis diese nicht als Waffenbestandteile ausgemacht wurden. Von dem Lauf trennte ich mich generell nach Abschluss des Auftrags. Durch das Ausfräsen entsteht eine einzigartige Rillenführung, gleich einem Fingerabdruck. Die Patronen weisen dieselben Merkmale auf. Ohne die Vorgehensweise wäre es ein Leichtes den Weg zurückzuverfolgen und zwischen den Morden eine Verbindung herzustellen. Durch die strengeren Sicherheitskontrollen ging ich mit jedem Flug ein Risiko ein. Unabhängig von den großen Distanzen in dem Land, die mich zum Fliegen zwangen, liebte ich die Gefahr. Es verschaffte mir einen Kick, auf den ich mir am liebsten einen runtergeholt hätte.


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Kommentare: 5
  • #1

    Jette Rathmann (Samstag, 17 Juni 2017 11:58)

    Wow. Auch der zweite Teil ist einfach perfekt. Vielleicht sollte man ihrer Bemühunge

  • #2

    Jette Rathmann (Samstag, 17 Juni 2017 12:02)

    Vielleicht sollte man ihrer Bemühungen bei dem Familienvater etwas ausbauen, damit sie nicht als unfähig dasteht.
    Der Rest ist jedoch absolut perfekt.
    Ich hoffe Du nimmst mir die kleine Kretit nicht übel liebe Tabea.
    Ich bin gespannt wie es weitergeht.
    LG Jette Rathmann ❤❤❤

  • #3

    Bärbel Simon (Samstag, 17 Juni 2017 13:11)

    Gefällt mir sehr gut, freue mich schon wie es weitergeht. Gut geschrieben, man sieht es förmlich vor sich.

  • #4

    Anja Völker (Dienstag, 20 Juni 2017 21:44)

    Er liebt die Gefahr, den Kick an sich und steht auf Präzision. Eine gute Mischung aus allem.
    Flüssige Text Führung und man findet sich schnell hinein. Man kann das Szenario vor sich sehen.
    Bin gespannt wie es weitergeht.���

  • #5

    Susanne (Donnerstag, 22 Juni 2017 16:34)

    Das ist wieder spannend geschrieben. Es ist bestimmt interessant zu erfahren warum man ein Auftragskiller ist . Freue mich auf die Fortsetzung.