Leseproben online Kaptitel 1 Part 1

Die ersten Autos mit potenziellen Kunden, fuhren im Schritttempo an mir vorbei. Saßen mehrere Jugendliche darin, konnte ich mich getrost zurücklehnen. Die machten sich einen Spaß daraus »Nutten-Watching« zu betreiben. Ich hatte schon überlegt, dass ich wie im Zoo Eintritt verlangen sollte.
Es dauerte nicht lange, bis ein Kombi vor mir hielt und die Beifahrerscheibe sich mit einem leisen Brummen öffnete. Mit aufgesetztem Lächeln trat ich an das Fahrzeug heran. Sofort registrierte ich den Kindersitz auf der Rückbank. Ein Zeichen, dass ich nicht allzu viel zu befürchten hatte. Außerdem sah er wie ein typischer Ehemann aus, der gerade aus dem Büro kam und ein wenig Entspannung suchte, bevor es zurück ins prüde Familienidyll ging.
»He Mädchen, wie alt bist du?«
Ich steckte den Kopf durch das Fenster und flüsterte mit verstellter piepsiger Stimmlage: »Sechzehn.«
Natürlich wusste er, dass ich log, aber die Männer wollten das hören.
»Geil«, entfuhr es ihm. »Was kostet der Spaß?«
»Blasen ohne Ficken, nur mit Gummi, 20 Mäuse, das Sorglospaket, blasen, ficken und mich lecken 60.«
»Gibt es eine Zeitbegrenzung?«
»Maximal ne halbe Stunde. Für dich würde ich auch etwas großzügiger sein.« Ein bisschen nett sein, konnte nicht schaden.
»Steig ein.« Die Stimme klang rau und Schweißtropfen hatten sich auf der Stirn gebildet. Die Aufregung ließ darauf schließen, dass er kaum Erfahrung mit Huren hatte.
»Hast du dich entschieden?«, fiepte ich und schaute ihn mit einem Augenaufschlag an. Vielleicht gelang es mir, ihm  ein paar extra Dollars aus der Tasche zu ziehen.
»Das Sorglospaket und kannst du mich Daddy nennen?« Er sah mich mit lüsternen Augen an und die wurstigen Finger krallten sich um das Lenkrad.
»Da musst du noch einen Zehner drauf legen.« Wie ich Rollenspiele hasste.
»Einverstanden.« Er zog aus der Hosentasche einen Hunderter.
Hoffentlich will er nicht gewechselt haben, schoss es mir durch den Kopf.
»Kleines, das passt so.«
Wie spendabel, damit hätte ich nicht gerechnet.
»Danke Daddy«, säuselte ich. »Für die Kohle könnten wir auch in ein Motel.«
»Nein ich möchte mein Mädchen im Dunkelen vernaschen.«
Ich nickte und lotste ihn zu einem Parkplatz, auf dem nicht all zu viel »Verkehr« herrschte. Auf der Fahrt überlegte ich mir, wie ich es bei seiner Körperfülle anstellte, ihn zu ficken. Ebenso bemerkte ich bei ihm eine wachsende Anspannung. Um ihn ein bisschen zu beruhigen, wanderte meine Hand zu seinem Hosenschritt.
»Daddy, entspann dich!«, flüsterte ich und rieb über den Stoff. Das entlockte ihm ein leises Stöhnen.
»Ich bin so geil auf die kleine Fotze«, sabberte er und ich setzte ein zuckersüßes Lächeln auf.
 Kaum hatten wir geparkt, öffnete er hektisch den Reißverschluss und sein eher schlapper Penis kam zum Vorschein. Ein Freier mit Erektionsprobleme hatte mir gerade noch gefehlt. Mit einem unmerklichen Seufzer fing ich an zu rubbeln.
»Dein Mädchen freut sich schon auf Daddys Schwanz«, versuchte ich ihn anzufeuern. »Ich wünsche mir einen großen harten Fickschwanz, der meine süße Muschi ausfüllt ...«
»Ja, ja ... er wächst«, kommentierte er das bislang traurige Ergebnis.
Mit der Handarbeit erreichte ich nichts. Es gibt selten etwas Schlimmeres, als ein schlaffes Männerglied in den Mund zu nehmen. Mit Mühe gelang es mir, das Gummi über die Eichel zu stülpen. Ein Bild des Jammers.
»Jetzt wird die liebe Püppi ein bisschen an Daddys Stange lutschen.«
So kriege ich den niemals rein!
Es artete in Schwerstarbeit aus. Glücklicherweise entsprach das nicht der Regel. Üblicherweise kamen die Kerle mit einer prallen Latte und es ging immer verhältnismäßig zügig.
»Lach mich aus, dass mein Pimmel so winzig ist und beschimpf mich.«
Ich verdrehte die Augen. Verband jedoch damit die Hoffnung, dass es uns weiterbrachte.
»So ein impotenter Minipisser, das ist einfach ein armseliger Anblick«, kicherte ich. »Schlappschwänzchen ...«
Eine Weile verrenkte ich meine Gehirnwendungen nach passenden Formulierungen, bis er erfreulicherweise hektisch das Gummi herunterriss und selbst zu wichsen begann. Fasziniert beobachtete ich, wie tatsächlich aus dem kleinen Pimmelchen ein paar Tröpfchen Sperma herausliefen.
Nachdem er sich gesammelt hatte, bat ich ihn, mich zurückzubringen. Stattdessen fing er zu stänkern.
»Ich will Geld zurück, da ich nicht gefickt habe.«
»Bitte was? Was kann ich dafür, dass du keinen hochkriegst?« Meine Tonlage nahm einen rotzigen Unterton an.
»Du dreckige Hure, raus aus dem Auto«, fuhr er mich an. »Euch müsste man alle auf Guantanamo einsperren und verrotten lassen.«
»Du Flachwichser!« Wütend riss ich die Autotür auf und sprang heraus und hoffte, dass er mich in Ruhe ließ. Eine weitere Eskalation wollte ich vermeiden.
Mit Vollgas raste er davon und ich atmete erleichtert auf. Nichtsdestotrotz eine beschissene Situation, auf dem Parkplatz zurückgelassen zu werden. Neben den Mühen zurückzukommen, birgt es Gefahren. Wir Straßenhuren sind für viele Männer Abschaum und sie glauben auch, uns so behandeln zu können.
Genervt zog ich die High Heels aus und marschierte los. Vielleicht hatte ich Glück und es erbarmte sich jemand mich mitzunehmen. Tatsächlich hielt kurze Zeit später ein Truck. Ich empfinde stets Respekt vor diesen monströsen Fahrzeugen. Wenn sie an einem vorbeirauschen spüre ich wie unbedeutend und endlich das Leben ist. Es bedurfte keinerlei Anstrengungen, mich in die ewigen Jagdgründe zu befördern. Über den eigenen Tod nachzudenken, macht den meisten Menschen Angst. Mir ist das egal und ich betrachte es eher pragmatisch. Wünschenswert ist natürlich ein schöner Tod. Zum Beispiel beim Sex. Das stelle ich mir reizvoll vor. Ein geiler Orgasmus und dann gehen die Lichter aus.
Währenddessen ich über mein Ableben philosophierte, betrachtete ich den Fahrer. Ich gestehe, dass ich auf Kerle mit einer raubeinigen Ausstrahlung stehe. Groß, muskulös, unrasiert und wenig zimperlich in der Ausstrucksweise. Mit den Attributen verknüpfe ich die Art von Sex, auf die ich abfahre. Hart und schmutzig, das bringt mich auf Touren. Ich liebe es, in unterschiedlichsten Stellungen rangenommen zu werden und zum Finale möchte ich, dass er das Sperma in mein Gesicht und auf die Titten spritzt.
»He hast du Lust auf eine kleine Pause?«, platzte es aus mir heraus. An meine sexuellen Vorlieben zu denken, brachte das Blut in Wallung. Die Hormone spielten verrückt. Ich war zu einhundert Prozent davon überzeugt, dass der Typ neben mir, all das zu bieten hatte.
»So, einen außerplanmäßigen Stopp?« Er blinzelte mir zu.
»Dafür bezahle ich allerdings nicht.«
»Sieht man mir das an?«, fragte ich erschrocken.
»Nicht wirklich, reine Spekulation.«
»Ich brauche ein bisschen Spaß nach dem blöden Tag und das ist kostenlos.« Ich grinste ihn frech an.
»Das Angebot kann ich natürlich nicht ablehnen.« Er legte die Hand auf mein Knie. »Aber ich warne dich, ich besitze einen sehr großen Schwanz.«
»Was anderes hatte ich nicht erwartet.«
»Du bist ein geiles Luder«, raunte er und setzte den Blinker, um von den Highway abzufahren. »Sollte dir mein Riemen nicht reichen, ich kenne noch zahlreiche Kollegen, die mich dabei unterstützen es dir zu besorgen.«
»Falls du denkst, ich zitterte vor Angst, dass mich jetzt gleich eine Reihe von Kerlen rannehmen, muss ich dich enttäuschen. Je härter desto besser.« Die Triebe übernahmen die Herrschaft. Spielerisch fuhr ich mit den Finger durch die nasse Pussy und schob ihn in den Mund. »Probier mal.«
 »Wahnsinn«, murmelte er. »Ich glaube es gerade nicht.« Ein paar Minuten später hatte er einen Stellplatz gefunden und das Brummen der schweren Maschine erstarb.
Erregt beugte er sich zu mir. »Lass mal sehen. Der Anblick einer Möse bringt mich richtig in Stimmung.«
Lustvoll spreizte ich die Beine und gewährte ihm den gewünschten Aus- bzw. Einblick. Mit dem Daumen massierte er die Klitoris. Genussvoll schloss ich die Augen und gab mich dem Prickeln hin.
»Hammergeil!« Er kam gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus.
»Tja die überraschenden Erlebnisse, sind meist die schönsten«, hauchte ich, da ich nicht länger reden wollte. »Nur noch eine Bitte«, fügte ich einen letzten Satz hinzu. »Ich will kein Blümchensex!«
»Mache dir mal keinerlei Sorgen, du kriegst, was du brauchst.«
Mit den Worten öffnete er die Hose und spätestens jetzt wurde mir klar, dass mir eine geile Nacht bevorstand.

 1.   Kapitel - Part 1

Sky

Das Gebrüll einer zugedröhnten Frau, die sich vor meinem Stammlokal »Captains« herumwälzte, ging mir auf die Nerven. Vermutlich hatte sie eine der gestreckten Drogen, die im Moment überall in Venice Beach kursierten, genommen. Das Zeug hatte verheerende Auswirkungen, die sich durch üble Halunitationen zeigten. Die Leute, die sich um sie bemühten, wurden von ihr offensichtlich als Monster oder Aliens wahrgenommen. Das Sirenengeheul eines Streifewagens näherte sich. Ich verzichtete darauf mir das Schauspiel anzusehen. Es interessierte mich schlichtweg nicht, was mit ihr geschah. In der Regel wurden die Drogis von der Polizei mitgenommen, vielleicht kümmerte sich ein Arzt um sie, mehr konnten sie nicht erwarten. Schöne heile Welt von Hollywood und Beverly Hills, die nach wie vor viele Menschen mit großen Hoffnungen auf eine Filmkarriere anlockten. Venice Beach hatte mit der trügerischen Glitzerwelt nicht das Mindeste gemein. Sobald die Dunkelheit einbrach, übernahmen die Dealer und Gangs die Herrschaft. In sämtlichen Reiseführern wird das Viertel ab den Abendstunden als »No-go-Area« beschrieben. Der Bezirk offenbarte den gehäuften Dreck und hier trafen sich die Gestrandeten und Verlierer. Die, deren Traum von Erfolg und Ruhm platzte oder die, die sowieso nie im Leben eine Chance bekamen.
Ich zählte zweifelsfrei zu der zweiten Gruppe. Mutter eine Säuferin, Vater unbekannt und mit meinen Fünfundzwanzig Jahren polizeibekannt, erfüllte ich jedes Klischee. Möglicherweise hätte ich den Absprung geschafft, da man mir eine überdurchschnittliche Intelligenz bescheinigte. Manchmal denke ich an die Schulzeit zurück. An die Zeit, in der ich motiviert und fleißig versuchte, einen besseren Lebensweg einzuschlagen und etwas aus mir zu machen. Die Illusion dauerte bis zur High School, die ich abbrach. Mum interessierte sich mehr für ihre Whiskyflasche, als für die Hausaufgaben ihrer Tochter. Die nächtlichen Saufgelage und die permanent wechselenden Männer, gehörten zum Alltag. Ich habe keinerlei Ahnung, wie viele Kerle über sie drüber gerutscht sind. Gelegentlich blieben sie eine Nacht, andere wiederum nisteten sich bei uns ein. In der mit Zigarettenqualm durchzogenen Luft lag ständig eine unterschwellige Form von Gewalt. Mum besaß das große Talent, sich mit ihren Äffären bis aufs Blut zu streiten, was nicht nur einmal in körperlichen Auseinandersetzungen endete. Unzählige Male kroch ich unter das Bett und drückte meine Lieblingspuppe fest an meinen zitternden Körper. Ab einem gewissen Alter brauchte ich keine Puppe mehr, die mir Trost spendete. Um den üblichen Streitigkeiten zu entkommen, kletterte ich abends aus dem Fenster, hangelte mich die Feuerleiter herunter und zog durch die Gegend. Ein Terrain, was nicht für eine Dreizehnjährige geeignet ist. Dealer, Säufer, Diebe hatten sich in unserem Viertel niedergelassen. Unweigerlich schloss ich mich einer Gang an. Der Startschuss für eine kriminelle Laufbahn. Regelmäßig schnappten mich die Cops bei Ladendiebstählen, nahmen mich mit auf das Revier und drohten mit der Einweisung in ein Heim. Mum sollte mich abholen, aber es passierte schon ab und zu, dass sie es vergaß. Die Schule schwänzte ich jedoch nie. Der Drang nach Wissen hält bis heute an und ich lese oft. Ich will nicht so hohl und unwissend herumlaufen, wie so viele die mir täglich begegnen.
Allerdings ist in Venice Beach nicht alles schlecht. Der namensgebende an der Pazifikküste gelegene Sandstrand ist über vier Kilometer lang und sensationell. Wir haben das ganze Jahr ein mildes Klima, was das Herumtreiben auf den Straßen erleichterte. Ich erlebte tatsächlich Lagerfeuerromantik und ungezählte Stunden an einem der wunderbarsten Strände der Welt. An den Wochenenden ist der Boardwalk ein bunter Jahrmarkt aus Ständen mit irgendwelchem Kitsch und unzähligen Besuchern. Ein Paradies für Taschendiebe. Ich kann das beurteilen, weil ich zu einer Bande gehörte, die kräftig mitmischte.

»Scheiße«, murmelte ich bei den Gedanken an meine Kindheit und kippte mit einem Schluck den Wodka hinunter. »Noch einen Jeff.«
Jeff, der seitdem ich denken konnte, in dieser Kaschemme arbeitete, kam mit der Flasche und füllte das Glas.
»Die Junkies kotzen mich an«, brummte er. »Nicht gut fürs Geschäft, wenn die Cops, ständig hier patrouillieren.«
»Mhhm, vielleicht solltst du dich mal darum kümmern, dass der Stoff wieder clean wird.«
»Ich bin nicht Gott und nehme das, was im Umlauf ist.«
»Dann beschwer dich nicht«, konterte ich. »Ich bin froh, dass ich damit nie angefangen habe.«
»Dafür schießt du dir regelmäßig die Birne mit dem billigen Fusel weg«, hörte ich die Stimme meines Kumpels Louis.
Ich betrachtete ihn und verdrehte die Augen. »Ich hab dich ebenfalls lieb.«
»Nichts für ungut Kleines.« Er setzte sich auf einen der wackligen Barhocker und tupfte sich den Schweiß von der Stirn. »Jeff für mich auch einen.«

Obwohl er ein ungepflegter Typ mit fettigen Haaren, von Nikotin verfärbten Zähnen und schmuddeligen Klamotten war, mochte ich ihn. Er tauchte irgendwann im »Captains« auf und wir kamen ins Gespräch und es entwickelte sich eine interessante Verbindung. Wir konnten stundenlang quatschen, da er eine gute Allegemeinbildung besaß. Er lieh mir Bücher und wir debattierten über die zum Teil Literatisch anspruchsvollen Romane. Es ist nicht übertrieben, dass ich ihn als den einzigen wahren Freund betrachte. Außerdem sind wir beide chronisch pleite, Wodkafans und betrinken uns mitunter am Strand. Was mir bei ihm besonders gefiel, ist, dass er mich niemals angebaggert hat.

Louis verdiente sich den Lebensunterhalt als freier Journalist und sicherte  sich mit unbedeutenden Artikeln über Wasser und wenn es überhaupt nicht lief, räumte er in einem Supermarkt Regale ein. Wie alle der Zunft träumte er von dem Durchbruch.
»Na heute schon Madonna interviewt?«, fragte ich ironisch. »Ach halt, die ist ja gerade in London.«
»Mach dich nur lustig«, gab er beleidigt zurück. »Die Zeit wird kommen.«
Ich grinste. »Seitdem wir uns kennen, sagst du das.«
Er rückte näher an mich heran und flüsterte:»Ich bin an einer riesigen Sache dran.« So als befürchte er, beschattet zu werden, schaute er sich um.
»Ah ja.« Was sollte ich darauf antworten, ohne erneut zu stänkern. »Was denn?«
»Das kann ich dir noch nicht sagen.«
»Ach sei nicht so wortkarg.« Einer meiner Schwächen war eine ungesunde Neugier. »Wir sind Freunde.«
»Okay, es geht um einen bedeutenden Typ und um eine verschleierte Vergewaltigung.«
Ich pfiff durch die Zähne.
»Sobald ich sämtliche Beweise zusammen habe, lasse ich die Bombe platzen.«
»Ich wünsche es dir.« Das meinte ich ehrlich. »Falls du berühmt und reich wirst, nimmst du mich bitte in dein neues Leben mit.«
»Versprochen.« Er lachte und fuhr sich mit den Händen durch sein unrasiertes Gesicht. »Das brauchst du nicht zu erwähnen, das ist selbstverständlich.«
»Wie bist du auf die Story aufmerksam geworden?« Bevor ich mich auf den Weg machte, wollte ich zumindest eine Kleinigkeit aus ihm herauskitzeln.
 Louis beugte sich vor. »Ich kenne ein Zimmermädchen aus dem Ritz-Carlton Hotel, da ist es passiert.«
»Es hört sich spannend an.« Ich rutschte von dem Barhocker und warf drei Dollar auf den Tresen. »Ich muss mir das Geld für die Miete verdienen.«
»Wenn das alles klappt Sky ...« Er legte seine Hand auf meinen Arm. »Dann musst das nicht mehr tun.«
Ich zuckte mit den Schultern. »Wir werden es sehen.«
Mit den Fingern zupfte ich das viel zu kurze Minikleid in Form und balancierte meinen Körper aus, da die mörderischen High Heels mir nach wie vor Probleme bereiteten. Die Art von Schuhen gehört normalerweise nicht zu den Favoriten, da ich mir verkleidet vorkomme. Was ich genau genommen auch bin. »Bis die Tage.«
»Pass auf dich auf Scarlett.« Louis gestattete ich als einzigen Menschen, mich damit anzusprechen. Der lächerliche Name, den jeder unweigerlich mit dem Film »Vom Winde verweht« verbindet, hätte nicht unpassender sein können. Ich weiß nicht, was sich Mum dabei gedacht hat. Vermutlich nichts. Aus dem Puppennamen machte ich irgendwann Sky und ich finde, dieser passt sehr gut zu mir.
Der Tumult vor dem Lokal hatte zugenommen. Etliche Schaulustige standen in einer Traube um die kreischende Frau herum. Ein Polizist näherte sich, aber sie trat um sich. Eine Sekunde sah ich in das verzerrte Gesicht und auf das ausgemergelte Wesen. Immer wenn ich die zugedröhnten Junkies sehe, stelle ich fest, dass es mir verhältnismäßig gut geht.
Zügig quetschte ich mich an den Neugierigen vorbei. Aus einer Kneipe ein paar Meter weiter, schallte Popmusik, am Himmel kreiste ein Polizeihubschrauber und leuchtete die Gegend aus. Eine ganz normaler Abend in Venice Beach. Denn sobald die Dunkelheit einbricht, tauchen die düsteren Gestalten auf den Straßen auf. Sogar die feinen Stadtbezirke wie Beverly Hills, rund um den Sunset Boulevard, werden für Touristen zur No-Go-Areas. Jeder kennt die Geschichte von Pretty Woman und einem glückichen Ende mit ihrem reichen Prinzen. Der Hollywood Schmachtfetzen beschreibt das Leben der Straßenhuren aus meiner Sicht als ein aufregendes Abenteuer. Die coole Freundin, die Kaugummikauend ihre Freier aufreißt und die Bad Boys, die nicht wirklich böse sind, zeigen eine Welt, die es nicht gibt. Sie ist um ein Vielfaches dreckiger und widerlicher, aber das will niemand in einem romantischen Film sehen.
Meine Mutter fickte mit den Kerlen umsonst, ich tue es für Geld. Das Verrückte daran ist, dass ich nicht den üblichen Vorstellungen einer Hure entspreche. Ich habe weder üppige Titten noch einen fetten Arsch. Im Gegenteil mich hat die Natur mit wenig Busen bedacht und meine Figur ist androgyn und ich messe gerade mal ein Meter fünfundsechzig. Die blonden Haare trage ich kurz und verzichte auf ein aufreizendes Make-up. Ohne zu übertreiben, gehe ich als Teenager durch, zumindest für die Freier, die gern mit jungen Mädchen ficken. Das ist mein Kapital.
Unvorstellbar wie viele Männer es gibt, die ihren Schwanz in eine jungfräuliche Möse stecken wollen. Je Älter desto geiler auf blutjunges Fleisch.
Es existieren ein paar Straßenzüge, die sind zuhälterfrei. Einige der Typen, die »Pferdchen« für sich laufen lassen, kenne ich. Wir sind hier aufgewachsen und sie kümmern sich nicht um mich. Das ist ein echtes Privileg. Es existiert ebenfalls keine Freundin, mit der ich eine Wohnung teile. Das Appartement ist ein Rückzugsort, den ich für mich allein beanspruche.
Ich bin mir im Klaren darüber, dass ich in ein Risiko eingehe, sobald ich in ein Auto steige. Glücklicherweise bin ich bislang nicht in eine brenzliche Lage geraten.
Aus Faulheit arbeite ich nur, wenn das Geld beginnt knapp zu werden. Das wiederum steigert den Marktwert. Nicht stets verfügbar zu sein, weckt Begehrlichkeiten. Das schließt aus, dass ich in einem Klub oder Bordell anschaffe. Dort bin ich gezwungen mich Regeln zu unterwerfen und das nervt mich. Gestern habe ich festgestellt, dass ich bereits über ein Jahr an der Straße stehe. Wie die Zeit dahin rennt. Mittlerweile gibt es Stammfreier, mit denen ich mich verabrede. Eine komfortable Sache, denn man weiß, was einen erwartet.
Heute Nacht jedoch musste ich auf neue Freier hoffen. Das war zwingend erforderlich, da ich die Miete vorgestern hätte bezahlen müssen.


Ich freue mich über deine Meinung!

Leider kann ich aktuell nicht direkt auf Deine Kommentare antworten - aber sei gewiss, ich lese sie!