Leseprobe online - Schattenspielerin

 

1. Kapitel

 

 

Der Abend neigte sich dem Ende zu. Das Stimmengewirr der Freunde, die in einem Restaurant Masons Rückkehr von New York nach London gefeiert hatten, war abgeebbt. Alle, bis auf Jayden, Mason, Claire und ihre beste Freundin Florence, waren gegangen. Nur die große Tafel mit den leeren Gläsern und Flaschen zeugte davon, dass man einen feucht-fröhlichen Abend verbracht hatte. Der Kellner hatte vor wenigen Minuten die letzte Bestellung aufgenommen und darauf verzichtet, den Tisch weiter abzuräumen. Dass er nahezu ungeduldig seinen Feierabend herbeisehnte, war ihm anzumerken. Das üppige Trinkgeld, das Mason ihm bei der Begleichung der Rechnung hatte zukommen lassen, vermochte wenig Abhilfe schaffen und konnte seine Stimmung kaum aufbessern.

 

Die Männer waren, wie so oft, in berufliche Fachgespräche abgeglitten. Claire konnte nicht nachvollziehen, warum Investmentfonds, Aktien und Börsenkurse eine solche Faszination ausüben konnten, sodass man sich an einem solchen Abend darüber austauschen musste. Aus diesem Grund war sie froh, dass Florence ihr weiterhin Gesellschaft leistete. Ein ungewöhnlicher Umstand, da die Freundin in der Regel immer als eine der Ersten gemeinsame Treffen verließ.

 

Claire musste schmunzeln, als sie Florences gerötete Wangen bemerkte. Ihr war schnell klar geworden, welcher Grund hinter ihrem Durchhaltevermögen steckte.

 

Florence kicherte, als sie nah zu ihr heranrückte und flüsterte: »Was für ein süßer Typ!«

 

Claire nickte und grinste. Jayden, der mit seinem Drei-Tage-Bart, den blonden Haaren und seiner stattlichen Erscheinung schnell die Frauen begeisterte, warf ihnen einen kurzen Blick zu. Sofort schaute Florence verschämt nach unten. Claire lächelte. Es war niedlich, wie genant ihre Freundin reagierte. Claire hingegen hatte ausschließlich Augen für Mason. Sie war glücklich, dass er wieder zurückgekehrt war. Aber noch mehr Glück empfand sie, dass er sich endlich zu ihr bekannt hatte und ihre Gefühle erwiderte. Es hatte lange danach ausgesehen, dass sie ihn verlieren würde. Sie, die ihn nicht nur als Mann liebte, sondern ihn mit ihrer devoten Seele zutiefst verehrte. Es gab keinen anderen Mann, dem sie sich in dieser vertrauensvollen Weise ausliefern konnte. Nur mit ihm war das Spiel von Lust und Schmerz, Nähe und Distanz in Perfektion möglich. Ja, er war der Mann, der ihr Herz und ihre Seele vollends erreicht hatte. Aus der Traumtänzerin war eine Frau geworden, die ihren Traum leben durfte. Für sie war er eben „Mr Big“, der Mann aus „Sex and the City“, der Carrie am Ende der Serie ebenfalls glücklich gemacht hatte. Den Namen hatte sie ihm am Anfang ihrer gemeinsamen Zeit gegeben, weil er dem Schauspieler ähnelte. Nicht nur optisch. Auch die Rolle, die der verkörperte, hatte zu Masons Verhalten gepasst. Beide unnahbar und voller Bindungsängste.

 

»Weißt du, ob er liiert ist?«, flüsterte Florence in Claires Gedanken hinein, und ohne eine Antwort abzuwarten, hakte sie weiter nach. »Meinst du, ich könnte ihn fragen, ob wir mal einen Kaffee trinken gehen?«

 

Ihre Redseligkeit war zweifelsohne dem Wein zuzuschreiben, da Florence in Sachen Männer eher zurückhaltend war. Nicht, dass sie ein Mauerblümchen war, doch sie war schüchtern. Außerdem konnte sie mit der Art der Sexualität, die Mason und Claire lebten, wenig anfangen. Sie hatte sich deutlich davon distanziert und konnte nicht verstehen, was an intensiven Schlägen auf den Hintern Lust bringend sein sollte. Die bizarren Spielarten waren ihr völlig fremd.

 

»Frag ihn«, flüsterte Claire zurück und ließ die Antwort auf die Frage, ob Jayden gebunden war, bewusst aus. Sein Beziehungsstatus ließ sich nicht in einem Satz erklären und hätte ihre Freundin zu dieser Stunde wahrscheinlich überfordert.

 

»Traue mich nicht!«, gab Florence kleinlaut zurück. »Außerdem sollte ein Mann eine Frau das fragen.«

 

Claire lachte laut auf, was die Aufmerksamkeit der beiden Männer erregte.

 

»Was gibt es denn so Lustiges?«, fragte Mason neugierig.

 

»Nichts«, wehrte Claire ab. »Frauengespräche!«

 

»Na dann«, warf Jayden mit einem Schmunzeln ein.

 

Claire vermutete, dass ihm Florences Blicke nicht entgangen waren. Er war ein guter Beobachter. Allerdings glaubte Claire, auch bei ihm ein gewisses Interesse festzustellen. Aber wie immer war er nicht zu durchschauen.

 

Sie erinnerte sich in diesem Moment an die Veranstaltung, die sie auf seinem Landsitz besucht hatte. Vor einigen Monaten, zu der Zeit, als sie versuchte Mason zu vergessen und sich auf ein bizarres Abenteuer eingelassen hatte. Sie hatte Jayden als Sir Baxter über ein BDSM-Portal im Internet kennengelernt. Er hatte sie eingeladen und ihr das Versprechen abgenommen, dass sie für eine Nacht seine Sklavin sein sollte. An diesem Abend hatte sie nie sicher sagen können, was er als Nächstes tat. Es war ein bizarres und intensives Zusammentreffen gewesen, das Claire an ihre Grenzen geführt hatte. Ein Erlebnis der besonderen Art, welches sie, im Nachhinein betrachtet, nicht hätte missen wollen. Dass Jayden und Mason befreundet waren, hatte sich erst später herausgestellt. Aus heutiger Sicht empfand Claire es als eine Fügung des Schicksals. Unter „normalen“ Umständen war es schon schwer einen passenden Partner zu finden, nicht umsonst boomten die Partnerbörsen im Internet und versprachen das große Liebesglück. Wenn man wie Claire die devote Seite liebte und lebte, war es ungleich schwerer. Aus ihrer Sicht war es die berühmte Nadel im Heuhaufen, Mason gefunden zu haben.

 

 Es wurde Zeit aufzubrechen. Vor dem Lokal verabschiedeten Claire und Mason sich mit einer herzlichen Umarmung von Jayden. Florence stand unbeholfen daneben und man konnte sehen, dass sie nicht wusste, wie sie sich verhalten sollte.

 

Jayden konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, reichte ihr die Hand und sagte: »Es war sehr schön, dich kennengelernt zu haben.« Als er die Worte aussprach, schaute er sie durchdringend an und sein Grinsen war verschwunden.

 

 Dieser Gesichtsausdruck brachte Florence völlig durcheinander und sie errötete, da seine Anziehungskraft, die er auf sie ausübte, alles Bekannte in den Schatten stellte. Es war ein fremdes Gefühl, eine Kombination aus Stromschlag und Achterbahnfahrt.

 

»Ja .. ähm, danke«, stammelte sie. »Fand ich auch«, kam es kaum hörbar über ihre Lippen und sie vergaß tatsächlich, seine Hand wieder loszulassen.

 

»Wir werden uns sicherlich wieder einmal sehen«, fuhr er fort und ihre Hände lösten sich schließlich voneinander. Ein süffisantes Lächeln umspielte seinen Mund. »Die beiden ...«, und sein Blick wandte sich zu Claire und Mason, »... wissen, wo und wie du mich erreichen kannst.«

 

Claire musste schmunzeln. Er konnte es nicht lassen – er war nun mal ein Spieler und war sich sofort seiner Wirkung auf Florence bewusst. Wahrscheinlich hätte jeder andere Florence seine Telefonnummer zugesteckt.

 

Florence nickte und versuchte sich in einem Lächeln. Mason erlöste die Arme, indem er sagte: »Das kriegen wir schon hin!« Dabei hakte er sie freundschaftlich unter und wandte sich zum Gehen, jedoch nicht, ohne Jayden noch zuzublinzeln.

 

 Gemeinsam nahmen sie ein Taxi, da Florence in der Nähe von Mason wohnte. Mason nahm vorn Platz, die beiden Frauen auf dem Rücksitz. Florence lehnte sich an Claire an und murmelte: »Ich glaube ich habe mich verknallt ...«

 

Claire seufzte leise und drückte sie liebevoll. In ihr keimte die Sorge auf, ob eine Verbindung zwischen den beiden überhaupt eine Chance haben würde. Florence, die zu dem Thema BDSM keinen Zugang hatte, es nach ihren eigenen Worten kategorisch ablehnte und Jayden, dessen Persönlichkeit untrennbar damit verbunden war.

 

Als sie Mason zu Hause darauf ansprach, lachte dieser.

 

»Ach Claire, du bist so zuckersüß«, dabei küsste er sie zärtlich auf die Nasenspitze. »Warte doch erst einmal ab, die beiden sind sich heute das erste Mal begegnet.«

 

»Ja, schon«, warf Claire ein. »Aber ich möchte vermeiden, dass Florence sich unglücklich verliebt.«

 

»Ich kann die Besorgnis um deine Freundin verstehen«, lenkte er ein. »Aber du kannst es nicht verhindern, wenn sie sich ineinander verlieben sollten.«

 

»Wohl wahr«, murmelte Claire.

 

»Bitte versprich mir, dass du nicht den rettenden Engel spielst«, mahnte Mason und seine Stimme hatte eine gewisse Strenge angenommen.

 

Dieser Tonfall zeigte bei Claire sofort Wirkung. Sie nickte gehorsam. »Ich kenne dich nämlich sehr gut und du bist bereits Hunderte von Schritten weiter!«

 

Claire umarmte Mason. Wie Recht er hatte – sie hatte auf der Fahrt die ersten Szenarien in ihrem Kopf zusammen gesponnen, wie sie ihre Freundin vor einer unglücklichen Liebe würde beschützen können. Sie musste ihm zustimmen, sie konnte es nicht beeinflussen und es war auch nicht ihre Aufgabe. Vermutlich würde es Jayden ebenso wenig schätzen, wenn sie sich einmischte.

 

Völlig überraschend vernahm sie Masons Worte: »Mein kleines geiles Fickstück, mache dir nicht so viele Gedanken um andere«, dabei haute er ihr auf den Po. Da sie lediglich eine dünne Sommerhose trug, war der Hieb deutlich spürbar. »Kümmere dich lieber um die Bedürfnisse deines Herrn!«

 

Plötzlich waren sie, wie sie es nannten, im „Spielmodus“. Solche Situationen entstanden aus dem Nichts und waren für beide prickelnd. Claire wusste sofort, was sie zu tun hatte. Ohne ein weiteres Wort entkleidete sie sich und kniete vor ihm nieder. Mason hatte sich währenddessen gemütlich auf dem Sofa niedergelassen.

 

»Hast du nicht etwas vergessen?«, fragte er mit strenger Stimme.

 

Claire schaute ihn fragend an. Sie wusste nicht, was er meinte. Es hätte alles sein können. Das vergessene Halsband, einen Vibrator, da er den Anblick liebte, wenn sie sich damit stimulierte oder, oder ...

 

Ein kurzer Blick seinerseits zu dem Wandschrank genügte und sie sprang auf. Es war ein Glas Whiskey, welches er sich ab und zu am Abend gönnte. Darauf wäre sie heute nie im Leben gekommen. Innerlich ärgerte sie sich über ihre Unaufmerksamkeit, da sie in der Regel immer genau spürte, was er sich wünschte. Mason hatte sofort registriert, dass sie damit nicht gerechnet hatte, und nutzte diesen Umstand aus.

 

»Da du anscheinend keine Ahnung hast, was ich mir wünsche, werde ich dir das, was du dir gerade wünschst, auch nicht geben!«

 

Claire stockte. Das war unfair, denn er wusste sehr wohl, dass sie sofort auf diese Situation reagierte und sich nach ihm verzehrte. Die Vorstellung, dass er ihr einen Orgasmus verwehrte oder noch schlimmer, dass er sie sofort ins Bett schicken würde und das Spiel abbrach, fühlte sich gerade nicht gut an. Claire kannte seine Konsequenz. Es interessierte ihn in solchen Momenten nicht, dass auch ihm etwas verloren ging. Es lag an ihr, ihn wieder umzustimmen. Allerdings gab es dafür keine verlässliche Taktik, da sie nicht einschätzen konnte, wie er reagierte. Sie erinnerte sich an eine Session, bei der er sie bis auf Äußerste gereizt und ihr Blut zum Kochen gebracht hatte, um sie anschließend unbefriedigt ins Bett zu schicken. Er hatte ihr zwar keinen Keuschheitsgürtel angelegt, wie es Jayden mit seiner Sklavin gemacht hatte, aber es hätte andere Folgen mit sich gebracht, sich selbst zu befriedigen. Und so hatte sie aus Respekt darauf verzichtet. Es hatte viel Disziplin erfordert, da ihr Kopfkino noch Stunden später tobte. Allerdings hatte er sie am nächsten Morgen wundervoll verwöhnt – als Dankeschön für ihre Ergebenheit.

 

Genau diese Unsicherheit machte sie erst richtig geil. Sie entschied sich für den „Ich habe keine Ahnung, was du meinst“-Blick. Widerspruch wäre vermutlich der falsche Weg. Sie waren so vertraut miteinander, dass solche kleine Nuancen ausreichten, um Botschaften zu kommunizieren.

 

Wie erwartet, wusste er ihren Blick zu deuten und sagte mit einem süffisanten Ton: »Natürlich weiß ich, was DU willst – das ist gerade der feine Unterschied zwischen uns gewesen.«

 

Ihren Unmut konnte sie trotz allem nicht verbergen und sie reichte ihm mit einem wenig respektvollen Blick das gewünschte Getränk.

 

»Meine Liebe, du bist aber heute sehr zickig«, kommentierte er ihren Gesichtsausdruck. Sie kniff die Lippen zusammen und bemühte sich, einen anderen Gesichtsausdruck aufzusetzen. Aber es war zu spät.

 

»Steh auf!«, herrschte er sie an. »An die Treppe!«.

 

Gemeint war die Wendeltreppe, die zur Dachterrasse führte und sich aufgrund des Geländers ideal als Fixierungsmöglichkeit eignete. Die Handfesseln hingen noch vom letzten Mal an den Streben. Ohne ein weiteres Wort machte er sie fest und genoss, wie sie am ganzen Körper bebte, da sie genau wusste, was passieren würde.

 

»Deinen Unmut werde ich dir jetzt austreiben ...«, raunte er und hob den Rohrstock auf, der ebenfalls noch auf dem Boden lag.

 

»Wie praktisch, dass du nicht aufgeräumt hast«, kommentierte er diese Tatsache und ließ das Schlaginstrument spielerisch durch die Luft sausen. Dieses Geräusch löste bei Claire wieder Gänsehaut aus.

 

Für das Aufwärmen ihres Hinterteils nahm er sich kaum Zeit, was die Intensität des Schmerzes erhöhte.

 

»Du weißt, dass ich nicht bestrafe ...«, untermalte er die Hiebe und es klang in ihren Ohren wie Hohn, denn es brannte höllisch. Claire hatte das Gefühl, es nicht lange aushalten zu können.

 

»Ich weiß, dass du mehr verträgst, als du selbst von dir annimmst!«, vernahm sie seine Worte und der nächste Schlag traf sie mit voller Wucht. Plötzlich schüttete ihr Körper wieder das Adrenalin aus, welches sie in eine Art Trance versetzte. Sie ließ sich laut stöhnend in diese heftige Pein fallen, die trotzdem ihre Lust anfachte. Ihr Körper, ihr Geist wurden mit den Schlägen, ausgeführt durch die Hand ihres Herrn, eins.

 

Mason spürte, wie bei ihr Schmerz und Lust wieder einmal verschmolzen und sah, wie ihr Körper sich in einer für ihn unfassbar erotischen Weise bewegte, dass es ihm ebenfalls vor Lust fast den Verstand raubte.

 

Ihre Arme waren gestreckt, ihr Oberkörper nach vorn gebeugt und sie präsentierte ihm ihre heißen Rundungen, die deutlich die Spuren der Behandlung aufwiesen. Da sie empfindlich war, bedurfte es im Verhältnis wenige Hiebe, sodass die ersten Striemen sichtbar wurden. Plötzlich war der Moment gekommen und die Gefühle brachen wie ein Lava sprühender Vulkan aus ihnen heraus. Es war diese wundervolle Symbiose, die den richtigen Zeitpunkt vorgab. Er drang tief in sie ein und nahm sie mit harten Stößen, trieb ihre Geilheit bis zur Explosion. Manchmal war er auch inkonsequent!

 

 Claire liebte die ausgiebigen Sonntagsfrühstücke mit Mason. Es war der einzige Tag in der Woche, an dem sie sich beide viel Zeit dafür nahmen. An den anderen Tagen gab es selten bis nie eine solche Gelegenheit, da beide zeitig zur Arbeit gingen und stark eingespannt waren. Zu Claires Bedauern sahen sie sich von Montag bis Freitag selten. Sie fügte sich jedoch seinem Rhythmus, da sie ihn mit ihrer Nähe nicht überfordern wollte. Die Angst, ihn zu sehr zu vereinnahmen, kam ab und zu in ihr hoch, obwohl er ihr versichert hatte, dass dies nicht der Fall war. Alte Denkmuster ließen sich eben nicht in wenigen Wochen verändern.

 

Gemütlich saßen sie zusammen und genossen die Köstlichkeiten, die ein solches Frühstück ausmachten. Zu seiner Belustigung hatte Claire sich Kühlakkus aus dem Gefrierfach geholt und sich darauf gesetzt, um auf diese Art das Brennen ihrer Pobacken zu mildern. Plötzlich brummte das Handy von Mason. Er warf einen Blick auf das Display und zog verwundert eine Augenbraue hoch.

 

»Jayden!«, sagte er zu Claire und nahm das Gespräch an. »Guten Morgen! Bist du aus dem Bett gefallen?« Die Frage war durchaus berechtigt, da sein Freund an Sonntagen in der Regel lange schlief.

 

»Können wir kurz reden?«, fragte der. »Ich würde gern etwas mit dir besprechen.«

 

»Kein Problem, wir sind beim Frühstück – soll ich ins Arbeitszimmer ... oder ist es okay, wenn Claire zuhört.«

 

»Das ist völlig okay«, gab Jayden zurück. »Es betrifft sie im Grunde mehr als dich.«

 

Die Sprachqualität des Handys war so gut, dass Claire Jayden auch ohne Lautsprecherfunktion hören konnte. Auch ihr Gesichtsausdruck zeigte ihre Überraschung.

 

Jayden kam ohne Umschweife auf den Punkt.

 

»Es geht um Florence«, begann er. »Ich finde sie sehr interessant, allerdings bin ich mir nicht sicher, wie sie auf meine Spielchen als Sir Baxter reagieren und wie sie die Sache mit Dominique auffassen würde.«

 

Claire machte eine abwehrende Handbewegung und schüttelte den Kopf, um Mason zu signalisieren, dass Florence mit großer Wahrscheinlichkeit ein Problem mit all dem hätte.

 

»Es scheint so, laut Claire, dass Florence dem Thema wohl eher distanziert gegenübersteht«, fasste Mason Claires Gesten in Worte.

 

»Nun ja, ich habe es vermutet«, war von Jayden zu vernehmen. Es entstand eine kurze Pause. »Wie gesagt, ich finde sie sehr nett und würde sie gern näher kennenlernen und möchte sie nicht abschrecken, wenn sie keinerlei Bezug zu diesen Dingen hat.«

 

»Was können wir da für dich tun?«, fragte Mason.

 

»Es wäre schön, wenn ihr, beziehungsweise Claire, ihr nichts davon erzählt.«

 

Claire verdrehte die Augen und wollte Protest einlegen, doch Mason signalisierte ihr, nichts zu sagen.

 

»Es ist deine Entscheidung und ich werde Claire bitten, diese zu respektieren.«

 

Claire fragte sich in diesem Augenblick, ob er als ihr Freund oder als dominanter Partner sprach.

 

»Sehr gut, vielen Dank!« Wie so oft verlor Jayden nur wenige Worte und hielt sich nicht mit Floskeln auf. »Dann wünsche ich euch einen schönen Sonntag.«

 

Damit war das Gespräch beendet. Claire ließ sich in den Stuhl zurückfallen und seufzte: »Ich habe es geahnt!«

 

»Wenn er es so möchte, dann solltest du es akzeptieren«, gab Mason unbekümmert zur Antwort. »Ich kann verstehen, dass er zunächst einmal unbefangen auf sie zugehen möchte.«

 

»Ja, aber das macht keinen Sinn«, widersprach Claire ihm. Sie spürte, wie sie begann sich aufzuregen. Florence lag ihr am Herzen und für sie war dies der falsche Weg.

 

»Mal ehrlich, Claire, wie erklärt man einer Frau, die man nicht kennt und attraktiv findet, dass man seit Jahren eine 24/7-Sklavin auf seinen Landsitz leben lässt – da würde jede Frau sofort Reißaus nehmen.«

 

»Es ist unehrlich!«, schmollte Claire. »Beiden gegenüber!«

 

»Nein, taktisch klug!«, korrigierte Mason sie. »Dominique ist seine Dienerin, sie hat sich für den Weg der völligen Unterwerfung entschieden und wird es hinnehmen müssen, egal was passiert.«

 

»Das weiß ich«, lenkte Claire ein. »Aber ich kenne Florence, ihr ist Offenheit und Ehrlichkeit das Wichtigste.«

 

Mason sah Claire durchdringend an. »Claire, versprichst du mir, dich an den Wunsch von Jayden zu halten?«

 

»Ja, versprochen!«, grummelte sie. So konnten ausschließlich Männer denken. Es blieb nur die Hoffnung, dass Florence nicht auf die Idee kommen würde, sie zu fragen, ob Jayden eine ähnliche sexuelle Gesinnung hatte wie sie und Mason. Anlügen wollte sie die Freundin unter keinen Umständen. Sie seufzte laut. Was würde da möglicherweise alles auf sie zukommen?