Häppchenzeit Der Benedetti Clan Teil 3

Am 6.11.2019 erscheint der 3. Teil des Benedetti Clans "No Way Out". Um Euch die Zeit bis dahin zu versüßen, gibt es bis dahin täglich um 18.00 Uhr ein Häppchen.  Wir starten mit dem 1. Kapitel.  Lasst uns gemeinsam darüber diskutieren! Ich freue mich darauf!

 

Weitere Infos zu Teil 1 und 2 findest du ebenfalls hier auf meiner Website!

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Storyboard

Wir waren süchtig nacheinander. Doch jede Sucht birgt Gefahren, im schlimmsten Fall tödliche.

 

Im dritten Teil des Benedetti Clans schleicht sich der Chicagoer Clanchef Davide Torrio in New Jersey ein, auf der Suche nach der Frau, die ihn gedemütigt hat. Davide erwartet von Cesare Benedetti Unterstützung, um SIE endlich aufzuspüren. Doch die zwei Alphatiere geraten aneinander.
Olivia, die im Dirty Dancing als Stripperin arbeitet, lebt mit einem Geheimnis. Niemand darf ihre wahre Identität offenlegen. Sie ist auf der Flucht, fürchtet um ihr Leben. Mittlerweile ist ER ihr bedrohlich nah. Olivia und Giuliana, die unterdessen eine innige Freundschaft verbindet, schlittern zwischen die Fronten.
Cesare und Giuliana treffen nach einem halben Jahr wieder aufeinander. An der bizarren Anziehungskraft hat sich nichts verändert. Es gibt kein Entkommen. Für niemanden.
No Way Out - ein Dark Romance Roman mit eigenwilligen Frauen, dominanten Männern, erotisch, düster und spannungsvoll, der Ausgang ungewiss.


1. Häppchen

Vorwort
Herzlich willkommen zu Der Benedetti Clan - No way out. Das ist der dritte Teil der Reihe. Zwar wird es immer wieder spoilerfreie Rückblenden geben, dennoch empfehle ich, Kill me, if you can und Prove me guilty zuerst zu lesen, um die Zusammenhänge zu verstehen und dadurch einen höheren Lesegenuss zu erfahren.
Dieser Part ist durch die Erlebnisse von Davide und Liv in sich abgeschlossen. Zwei Charaktere, die es in sich haben und eine düstere, erotische Geschichte durchleben.
Nun vermute ich, dass alle »Serienhasser« mit den Augen rollen. Obwohl die oben genannten Hauptprotagonisten im Vordergrund stehen, nehmen Cesare und Giuliana aus den ersten Büchern eine bedeutende Position ein.
Geplant war es anders. Doch auf Bitten unzähliger Fans war es für mich undenkbar, die beiden unangefochtenen Lieblinge herauszuschreiben. Hätte ich mich dafür entschieden, würde ich meine Leser enttäuschen. Welcher Autor, der mit Herzblut seine Romane verfasst, ist daran interessiert? Keiner.

In dem Sinne wünsche ich Dir spannende Lesemomente mit dem Benedetti Clan.


1. Kapitel – Davide
 Kapitel – Davide

Das Gepäckband des Inlandsfluges der American Airlines von Chicago nach Jersey drehte seine Runden und die Passagiere entdeckten einer nach dem anderen ihre Koffer.
Ungeduldig stand ich daneben und kaute an einem Streichholz. Wenn ich eines hasste, war es zu warten, es entsprach nicht meinem Naturell. Eine Hand in der vorderen Tasche der Jeans, wippte ich unablässig mit dem linken Fuß. Durch die Bikerstiefel mit ihren massiven Sohlen entstand ein permanentes Klacken, was einer älteren Dame neben mir offensichtlich nicht gefiel. Sie sah mich mit ihren zusammengepressten, faltigen Lippen mahnend an. Der Typ Gouvernante, Jungfrau bis in alle Ewigkeit, kam mir gerade recht. Langsam wandte ich den Kopf zu ihr, nahm das Streichholz aus dem Mundwinkel, mein Gesichtsausdruck blieb bewegungslos, um sie wie aus dem Nichts mit einem lauten »Buh!« in ihre Schranken zu verweisen. Das Gesicht der Lady wurde blass und mit einem empörenden Kopfschütteln trat sie mehrere Schritte nach hinten. Na geht doch!
Die Gepäckstücke trudelten mit immer größerem Abstand auf dem Fließband ein, meinen Seesack entdeckte ich weiterhin nicht.
»Was für eine Scheiße«, knurrte ich und die bereits im Ansatz vorhandene Zornesfalte vertiefte sich. »Alter, wenn ihr hier nicht gleich in die Gänge kommt ...« Meine Reizschwelle lag ausgesprochen niedrig, was hin und wieder zu Übersprungshandlungen führte, die die Betroffenen im besten Fall lediglich einschüchterten. Schließlich kam ich aus Chicago, der Stadt des Al Capone, der ebenso für seine Impulsivität bekannt gewesen war. Wir Torrios gehörten von Beginn an zu dem italoamerikanischen Mafia-Syndikat der amerikanischen Cosa Nostra in Chicago. Unabhängigkeit und Gleichberechtigung zu den Clans in New York und Jersey verliehen uns eine bis heute unangefochtene, souveräne Stellung. Eine, die ich im Benedetti-Land definitiv ausnutzen würde.
»Na endlich.« Mit einer ausholenden Bewegung griff ich nach dem schweren Seesack und rempelte versehentlich einen Kerl in einem feinen Anzug an.
»Können Sie nicht ein bisschen umsichtiger ...«, begann der Fliegenschiss, sich zu beschweren. Ich zog die Sonnenbrille hoch, kniff die Augen zusammen, was ihn augenblicklich verstummen ließ.
»Wolltest du etwas sagen?« Es war eine Angewohnheit von mir, Personen zu duzen, die ich für unterlegen hielt.
»Nein, nein, alles in Ordnung, Sir.« Kluge Entscheidung. Er wich zwei Schritte zurück und sah dem eigenen Koffer hinterher, der auf dem quietschenden Fließband eine erneute Runde drehte.
Emotional betrachtet, reizte es mich, den Kerl an seiner Krawatte zu packen, um an ihm meine miese Stimmung auszulassen. In dem Fall siegte der Pragmatismus. Sofort Aufsehen zu erregen, verkniff ich mir. Den Grund meines Besuches bewertete ich sowieso als eine Farce und längst überfällig. Baby Jane hatte es tatsächlich geschafft, mich auszuboten und für eine gewisse Zeit vom Radar zu verschwinden. Die Betonung lag auf für eine gewisse Zeit. Niemand entkam Davide Torrio und erst Recht nicht sie. Ich würde sie finden und dann würde es kein Zurück mehr geben – No way out, du entkommst mir nicht.
Aufgrund einer zeitlich aus dem Ruder gelaufenen, nächtlichen Pokerrunde, fühlte ich mich müde und kaufte mir am Flughafen einen Energiedrink, den ich mit einem Zug leerte. Mühelos drückte ich die Dose mit einer Hand zusammen, was mir einen irritierten Blick der Verkäuferin einbrachte.
Hätte die Dame meinem Geschmack getroffen, ein idealer Ausgangspunkt, um ein bisschen zu baggern. Bei ihrem Fall fragte ich mich eher, wieso ein Entscheidungsträger eine solche Vogelscheuche auf die Menschen losließ und sie nicht zum Einräumen von Regalen abstellte.
Wortlos wandte ich mich ab, verließ das Terminal, um mir ein Taxi zu nehmen.
Der junge Fahrer nahm mir den Seesack ab und verstaute ihn im Kofferraum. Lässig ließ ich mich auf die Rückbank fallen und fuhr mir mit der Hand durch die Haare.
»Zum The Westin Jersey City Newport.«
»Ja, Sir.« Durch den Rückspiegel warf er mir einen freundlichen Blick zu. Quatsch mich nur nicht an. »Sind Sie mal zur See gefahren?«
»Fahr und labere nicht.« Das Kerlchen bekam rote Ohren und wandte sein Augenmerk auf den Verkehr.
Nach dem Erreichen des Hotels drückte ich ihm beim Bezahlen ein üppiges Trinkgeld in die Hand. Taxifahrer erwiesen sich oftmals als Informationsquelle und so gedachte ich, die anfängliche Unfreundlichkeit auszugleichen. Seine Gesichtszüge erhellten sich und motiviert sprang er aus dem Wagen, um mein Gepäck aus dem Kofferraum zu holen. »Herzlichen Dank, Sir.« Erst jetzt fiel mir auf, in was für verschlissenen Klamotten er herumlief, unabhängig davon jedoch einen gepflegten Eindruck hinterließ. Das Kerlchen trug nicht freiwillig die alte Kleidung, er konnte sich nichts besseres leisten. Von diesen armen Schweinen gab es Tausende. Sie rackerten sich ab und kamen kaum über die Runden. Sofern ich eine Art soziale Ader besaß, dann in solchen Fällen. Es bedurfte keiner großen Menschenkenntnis, dass er am Existenzminimum kratzte. Die beste Ausgangslage, um hier im Benedetti-Land einen ersten Lakaien zu rekrutieren.
»Hast du Familie?«
»Äh ... ja«, erwiderte er verdutzt. »Eine kleine Tochter und wir erwarten unser Zweites.«
Ein Kondom wäre billiger gewesen. Das auszusprechen, sparte ich mir. »Wie sieht es aus, willst du dir ein bisschen Kohle dazuverdienen?«
»Ja ... nein ... weiß nicht«, stammelte er.
»Was? Ja oder nein?« Ich zog die Stirn in Falten.
»Na klar.« Er bekam abermals feuerrote Ohren.
»Wie ist dein Name?« Ich hatte mir ein neues Streichholz in den Mundwinkel geschoben. Das Ding war ein Ersatz für meine heiß geliebten Zigarillos, auf die ich aufgrund des ganzen Nichtraucherwahnsinns an den meisten öffentlichen Plätzen verzichtete. Zumindest, wenn ich nicht an Diskussionen interessiert war. Seit ich denken konnte, widerte mich diese selbstgefällige Obrigkeit an, die mir sogar mit ihren Gesetzen vorgab, wann und wo ich rauchen durfte.
»Ben ... White.« Ein blasser Junge mit einem ebenso faden Namen.
»Entschuldigung«, kam der Page auf uns zu. »Fahren Sie bitte das Taxi weg, hier ist nur Aus- und Einsteigen gestattet.« Er musterte mich kritisch, ihm missfiel offenbar mein legers Outfit aus Jeans, Lederjacke und Bikerstiefel. Den innerlichen Groll zunächst unterdrückend, nickte ich.
»Zwei Minuten.« Meine Stimmfarbe besaß eine unüberhörbare Dominanz, die die entsprechenden Reaktionen auslöste. »Steig ein, wir wollen nicht sofort bei dem Wächter der heiligen Hallen in Ungnade fallen.« Pikiert wandte sich der Page ab. »So, Ben White, hast du was zu schreiben?« Blitzschnell reichte er mir einen Zettel und Stift, die in der Fahrerkonsole gelegen hatten. Ich notierte die Nummer und Ben nahm mit zitternder Hand das Blatt durch das geöffnete Fenster entgegen. »Das ist meine Telefonnummer. Rufe mich morgen Vormittag um Punkt elf Uhr an.« Ein kleiner Test, ob er gewillt war, zuverlässig Aufgaben zu erledigen.
»Ja ... natürlich, Sir.« Ihm war es eindeutig nicht geheuer. Hinter uns hupte ein weiteres Taxi. Zum Zeichen dass er losfahren sollte, klopfte ich auf das Wagendach.
»Seid ihr hier in Jersey immer so hektisch und ungeduldig?«, fragte ich den Pagen, ohne eine Antwort zu erwarten. Kopfschüttelnd schulterte ich den Seesack und betrat die Lobby. Dort herrschte reger Betrieb und ich ließ meinen Blick schweifen. Dass ich nicht zu der golfspielenden Businessfraktion zählte, war unübersehbar. Was mich nicht die Bohne interessierte, denn ich besaß mehr Macht und Geld als vermutlich die meisten Hotelgäste zusammen. Dafür bereitete es mir stets Freude, die konstatierten Gesichtsausdrücke des Personals und der anderen Gäste zu sehen. Ein muskelbepackter und tätowierter Oberkörper, den ich mit Vergnügen in engen Shirts oder Tanktops zeigte, passte für viele nach wie vor nicht in die gehobeneren Kreise der Gesellschaft. Das entlockte mir lediglich ein müdes Lächeln. Ja, ich provozierte liebend gern.

 

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2. Häppchen

An der Rezeption wurde ich jedoch professionell begrüßt. Endlich mal was Attraktives. Schlank, üppige Brüste, blonde Haare und ein zuckersüßes Gesicht mit vollen Lippen und blauen Augen.
»Davide Torrio, ich habe die Premiumsuite reserviert.«
Die Zuckerschnute schaute im System nach, was mir zu lange dauerte, daher trommelte ich mit den Fingern auf dem glänzenden Marmor des Counters. Ich war müde, hungrig und zu allem Überfluss schmerzten mir die Hoden. Nun bekam ich die Quittung, dass ich den Pokermarathon vorgezogen hatte. Der Anblick der Rezeptionistin machte es nicht besser. Unweigerlich stellte ich mir vor, wie sie mit ihren vollen Lippen meinen Prachtschwanz tief in ihre Mundhöhle schob und daran saugte.
»Ja ... richtig, Mr Torrio. Herzlich Willkommen im Westin Jersey.«
»Hm.« Alter, ich brauche einen Fick.
»Ich sehe, Sie haben bislang kein Abreisedatum bei der Buchung vermerkt.« Da ich sie ungeniert musterte, wurde sie zunehmend nervöser.
»Genau, Mary.« Den Namen hatte ich von dem Schildchen an ihrem Revers abgelesen. Lässig beugte ich mich vor, schob die Sonnenbrille auf die Stirn und lächelte. »Eine vorteilhafte Entscheidung, wenn ich mir Sie so ansehe.«
Sie räusperte sich und ihre Wangen nahmen einen dezenten Rotton an. Wieder einmal bestätigte sich meine ausgeprägte Anziehungskraft auf das weibliche Geschlecht.
»Unabhängig von ihrer reizenden Anwesenheit kann ich derzeit nicht beurteilen, wie lange die Geschäfte hier dauern.« Vermutlich würde ich mein Anliegen zügig erledigen, denn ich war ihr so nahe, wie seit ihrem Verschwinden nicht mehr.
»Okay, ich vermerke das«, erwiderte die Zuckerschnute. »Die nächste Reservierung ist erst in vierzehn Tagen.« Es folgte das übliche Gequatsche beim Einchecken, dem ich nur mit halbem Ohr zuhörte. Meine Interessen bewegten sich in anderen Sphären. Aufgrund des Roomservices wurde zunächst nur eines meiner Bedürfnisse gedeckt. Da ich es mir nur sehr ungern selbst besorgte, benötigte ich angemessene Unterstützung.
»Können Sie mir einen erstklassigen Escortservice empfehlen?«
Zu meiner Überraschung reagierte Mary gelassen, so, als hätte ich nach einem Stadtplan gefragt. Sie zog aus einer Schublade zwei Visitenkarten hervor und schob sie über den Marmor.
»Eine spannende Angelegenheit«, murmelte ich, nachdem ich die Namen der Agenturen erkannte, die meine Jungs bei ihren Recherchen entdeckt hatten. Erwartungsgemäß wurden die Ladys empfohlen, die für den Familienverbund der Benedettis, Parisis und Montis arbeiteten, das zwitscherte mir das Informantenvögelein. Seit die Machtkämpfe der Clans ausgeräumt worden waren, gab es kaum eine Hure, die auf der Halbinsel unabhängig ihren Geschäften nachging.
Die überraschende Verbrüderung vor ein paar Monaten hatte sich bis nach Chicago herumgesprochen. Das allein hatte mein Interesse geweckt, sich hier umzuschauen. Ließen die Schlappschwänze ihre Frauen tatsächlich über Krieg oder Frieden entscheiden? In meiner Stadt wäre dies undenkbar.
Nachdem mir das Vögelein ebenfalls zwitscherte, dass ich hier mit hoher Wahrscheinlichkeit Baby Jane wiederfinden würde, hatte ich umfassende Recherchen von meinen Männern eingefordert, um so mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu sein. Eine perfekte Vorbereitung betrachtete ich als den halben Sieg.
»Na dann bin ich mal gespannt, ob die Damen meinen Ansprüchen genügen«, murmelte ich.
»Entschuldigung?«, hakte Mary nach.
»Schon gut.« Ich nickte ihr zu. »Mary, haben Sie einen angenehmen Tag.« Mit einem selbstgefälligen Lächeln griff ich in die Innentasche der Lederjacke, zog einen Bündel Geldscheine heraus und legte ihr eine Einhundert-Dollar-Note auf den Tresen. »Kaufen Sie sich was Heißes für Ihren Freund.« Sprachlos und mit puterrotem Gesicht starrte sie mich an. Ihre perplexe Reaktion belustigte mich, schließlich hatte ich sie nicht nach dem Blowjob gefragt, den ich mir bereits in meinem Kopfkino ausgemalt hatte.
»Danke«, presste sie hervor und grinste verschämt.
»Passt schon.« Ich klopfte zwei Mal auf die Oberfläche des Counters.
Mein bislang mäßiger Stimmungspegel stieg sukzessive an. Die Aussicht auf eine Dusche, ein saftiges Steak und ausgiebigem Sex, entsprach exakt dem Verlauf eines entspannten Abends. Um meine abtrünnige Königin würde ich mich ab morgen kümmern.

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3. Häppchen

2. Kapitel Cesare

Ein stürmischer Wind wehte mir beim Joggen am Strand entgegen. Keine Menschenseele hielt sich hier auf, ein unschlagbarer Vorteil eines solchen Wetters. Denn der März zeigte sich in den letzten Tagen von seiner ungemütlichen Seite. Die Temperaturen lagen nur bei fünf Grad und es regnete unablässig. Sturm und Regen hatten mich nie davon abgehalten, mein mir auferlegtes Pensum zu bestreiten.
Sprichwörtlich wurde mein Kopf freigepustet, ich entspannte und nahm einiges gelassener. Das Rauschen des Meeres, die großen Wellen, die sich bedrohlich auftürmten, dann tosend an den Strand brandeten und sich mit viel Gischt ins Nichts auflösten, hatten für mich etwas Unendliches. Es würde erst enden, wenn die Welt zu existieren aufhörte. Was vermutlich nicht mehr lange dauerte, da unser Präsident alles nur Erdenkliche ankurbelte, um das Armageddon herbeizuführen. America First, vielleicht meinte er, dass unser Kontinent zuerst unterging. Dies blieb, wie Etliches, sein Geheimnis.
Ich schüttelte den Kopf über meine Gedanken, schließlich war ich hier, um mich zu entspannen.
Der Frieden mit den Parisis und dem Monti-Clan hielt an und es gab kaum nennenswerte Zwischenfälle. Mein Vater hatte sich nach dem Friedensabkommen zeitnah dazu entschlossen, sich aus dem Business endgültig zurückzuziehen, und mich zum Oberhaupt der Familie ernannt. Obgleich ich seit Jahren in alle Details eingeweiht gewesen war, bedeutete es eine neue Herausforderung. Insbesondere tat sich die Generation Sechzig Plus mit dem Entschluss des Patrons schwer. Ihre Bedenken, dass ich zu jung sei, brachten mich zum Schmunzeln, denn mein Vater hatte damals im gleichen Alter die Führung übernommen.
Der Generationswechsel kam weiterhin zum richtigen Zeitpunkt, um die Kooperation mit den Montis und Parisis weitgehend unbelastet zu führen. Die langjährige Fehde blieb im Untergrund bestehen und es lag an mir, dafür zu sorgen, dass sie nicht erneut aufflammte. Einen Vertrauensvorschuss besaß niemand von uns und Fingerspitzengefühl war gefragt.
Der heutige Lauf verlangte mir einiges ab. Der feuchte Sand erschwerte es mir, einen gleichmäßigen Rhythmus zu finden und der Gegenwind trug ebenfalls nicht zu einer Erleichterung bei. Aufgeben war jedoch keine Option, egal in welcher Lebenslage. Endlich gelang es mir, es stellte sich ein Tunnelblick ein und die Umgebung verschwand.
Urplötzlich tauchte sie aus dem Nichts auf. Ich runzelte die Stirn. Maximal fünfzig Meter trennten uns.
»Das gibt’s nicht«, murmelte ich und verlangsamte das Tempo. Lange schwarze Haare, die im Wind wehten, eine schmale Statur ... War sie es? War Giuliana wieder in Jersey? Ein befremdliches Gefühl erfasste mich. Das letzte Zusammentreffen lag Monate zurück. Die Tränen, die sie bei unserem Abschied vergossen hatte, waren mir in Erinnerung geblieben. Keine angenehme Situation, wenngleich eine faire. Sie liebte mich kompromisslos und ich erlaubte ihr, sich mir auf eine ungewöhnliche Art zu nähern. Rückblickend bewertete ich mein Verhalten als unklug. Ob sie trotz der Gesamtumstände weiterhin Hoffnung auf eine wie auch immer geartete Beziehung hegte?
Giuliana hatte eine Menge einstecken müssen, aber sie war tough und willensstark. Fakt blieb, dass sie um unser Familiengeheimnis wusste, mit dem Enthüllungsjournalisten in Kontakt stand und dadurch jederzeit ein Risiko für uns darstellte. Daran hatte sich nichts geändert. Zurückgewiesene Frauen neigten so manches Mal zu überzogenen Handlungen.

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Häppchen 4

Weiter geht es mit Cesare

Da sich früher oder später unsere Wege nach ihrer Rückkehr aus Italien kreuzen würden, lief ich langsam auf sie zu. Sie hatte die Hände in der Jackentasche vergraben und einen großen Schal mehrfach um den Hals geschlungen, sodass er bis zu den Ohren reichte. Es entlockte mir ein Grinsen, denn die Dinger waren der neuste Schrei.
»He! Giuliana!« Dabei tippte ich ihr auf die Schulter. Die Sekunde, bis sie sich herumdrehte, löste ein Kribbeln aus. Sie zuckte zusammen und wandte sich mit einem erschrockenen Gesichtsausdruck um. Ich stutze.
»Oh, Entschuldigung, ich habe Sie mit jemanden verwechselt.« Sicherheitshalber trat ich einen Schritt zurück.
Die Frau atmete erleichtert durch und die anfängliche Sorge verschwand aus ihrem Gesicht. »Kein Problem.«
»Okay ... sorry noch mal.« Ich hob eine Hand und setzte meinen Lauf fort. Sachen gab’s ...

Zu Hause angekommen, genoss ich eine heiße Dusche. Im Glas der Duschabtrennung spiegelte sich mein durchtrainierter Körper. Der Bauch, der auch ohne Muskelanspannung das Sixpack zeigte, war ein Ergebnis jahrelangem Trainings. Ein Body, auf den die Frauen abfuhren, schmeichelte logischerweise meinem Ego. Der Wasserdampf umhüllte mich und ich schloss entspannt die Augen. Unfreiwillig projizierte mein Gedächtnis Giulianas Gesicht, ihre wohlgeformten Brüste und nicht zuletzt ihre vor Lustsäften glitzernde Vagina. Ein Schauer lief mir den Rücken herunter. Blitzartig versteifte sich mein Glied. Ihre sexuelle Anziehungskraft hatte so einiges dazu beigetragen, dass die Ereignisse des vergangenen Sommers anders als geplant verliefen. Statt sie zu töten, verfielen wir beide in einen immerwiederkehrenden Rausch. Je wütender sie wurde, desto mehr hatte es ihre zügellose Geilheit angefacht. Einzigartig der Fick, nachdem ich sie aus dem Verlagsgebäude, in dem sie den Enthüllungsjournalisten treffen wollte, hinausgeschleift und sie sich wie eine Wilde gebärdet hatte. Auf der Autofahrt zu meinem Stripclub Dirty Dancing 2.0 provozierte sie mich auf ein gefährliches Maß. Es war eine der Situationen gewesen, in der wir uns wie Feinde verhielten, es definitiv waren, und trotzdem die Begierde nach dem anderen siegte.
Mittlerweile hatte ich ein Stadium erreicht, bei dem ich keine Lust hatte, den ganzen weiteren Tag mit einer Latte herumzulaufen. Bei der detaillierten Erinnerung, wie ich ihr mein Sperma in die Mundhöhle spritzte, erledigte sich das Problem von selbst.

Eine Stunde später fuhr ich auf den Hof unseres Hauptquartiers. Wir Benedettis legten seit jeher Wert auf eine legale Fassade, deshalb nutzten wir das Geschäftsgebäude als Büro für die semilegalen Immobiliengeschäfte. In einem hinteren Teil, nicht einsehbar, trafen sich täglich meine Leute, die auf der Straße das Geld eintrieben und sich um den ganzen Dreck kümmerten. Ich selbst hatte diese Ausbildung durchlaufen, daher fühlte ich mich den Männern weiterhin verbunden. Viele kannte ich seit Jahren. Der Clan hielt zusammen, doch wer sich gegen uns stellte, bereute es schnell. Ich erwartete, wie der vorherige Patron, uneingeschränkte Loyalität. In dem Punkt verfolgte ich eine Nulltoleranzstrategie.
Die Jungs hatten vor drei Tagen einen LKW kontrolliert, von dem wir wussten, dass dieser die neuste Generation an Spielekonsolen transportierte. Bedauerlicherweise erreichte die Ladung nie ihren eigentlichen Bestimmungsort. Beim Betreten des Aufenthaltsraumes empfing mich ein hitziges Geschrei, da sich zwei meiner Leute in einer PvP-Stage duellierten.
»Wie die kleinen Kinder.« Ich schüttelte den Kopf. Zu Computerspielen besaß ich nie einen Bezug. Das kickte mich nicht, ich brauchte etwas in der Hand. Pokerkarten, Jetons in der Spielbank, das bedeutete für mich Spielleidenschaft, welcher ich regelmäßig nachgab.
Wir begrüßten uns alle mit Handschlag. Belustigt setzte ich mich an einen Tisch, auf dem täglich das Geld gezählt, wurde und legte die Füße hoch.
»Was bringt die Ladung?«, fragte ich in die Runde. »Sofern sich nicht jeder eine unter den Nagel gerissen hat.«
Noch bevor ich eine Antwort erhielt, betrat Furio, das Urgestein unseres Clans und bis heute auf der Straße unterwegs, den Raum. »He Cesare, hast du schon gehört, wer in der Stadt sein soll?«
»Nein ...« Ich wippte mit dem Bürostuhl hin und her.
»Davide Torrio ...« Es klang unterschwellig besorgt.
»Der durchgeknallte Typ aus Chicago?«
»Genau.«
»Interessant.« Ich nahm die Hände hinter den Kopf. »Weshalb treibt er sich hier herum?«
»Er sucht jemanden.«
»Wen?« Es nervte mich, dass ich ihm jedes Wort aus der Nase ziehen musste.
»Das konnten wir bisher nicht herausfinden, niemand hat eine Ahnung«, gestand er.
»Dann findet es heraus«, blaffte ich sogleich. »Ich will wissen, was er in unserer Stadt zu suchen hat.«
»Dieser Wichser hält es nicht für nötig, uns aufzusuchen«, knurrte Furio.
»Um so wichtiger ist, ihn im Auge zu behalten.« Ich nahm die Füße vom Tisch und rieb mir das Kinn. »Er ist ein Querulant und unberechenbar.«
»Wir sollten die Montis und Parisis darüber informieren, sodass sie vorgewarnt sind«, schlug einer der Männer vor.
»Hm, ist er es wert, so viel Wind um ihn zu machen?«, kam der Einwand eines der anderen Capt‘ns.
»Macht doch mal den scheiß Ton leiser.« Das Geballere nervte mich gewaltig. »Ich stimme dem zu, einfach, um Spannungen zu vermeiden, sofern er auf schräge Gedanken kommt.«
»Er hat angeblich in Chicago vor ein paar Monaten fünf Kerle auf der Straße abgeknallt.« Die Bewunderung kam von unserem jüngsten Soldaten, der noch einen langen Weg vor sich hatte. Alle brachen in Gelächter aus.
»Was für eine Heldentat, fünf auf einen Streich.«
Dem Bengel schoss die Röte ins Gesicht ...


5. Häppchen

Doch seine Worte brachten mich zum Nachdenken. Davide Torrio besaß eine gefährliche Begabung: Es gelang ihm auf geschickte Art, die Menschen für sich einzunehmen. Weiterhin gab es fast immer Ärger, sobald er auftauchte. Allerdings hatte ich nicht die Absicht, mich von ihm in irgendeiner Form provozieren zu lassen. Möglicherweise war er morgen bereits wieder verschwunden. Trotzdem hieß es wachsam bleiben.

 

3. Kapitel Giuliana

 Jersey du hast mich wieder! Mit vielen Erinnerungen im Gepäck erreichte ich erschöpft, dennoch aufgeregt den Newark Liberty International Airport. Meine Gefühlslage konnte ich durchaus zwiespältig beschreiben. Jersey war meine Heimat, die ich vermisst hatte, die mit einer aufreibenden Zeit einherging. Rückblickend gab es keinen Lebensabschnitt, der mich bislang derart geprägt hatte, jedoch hoffentlich der Vergangenheit angehörte. Zumindest wünschte ich es mir, denn nach neuen Verwicklungen in den einschlägigen Mafiakreisen stand mir nicht der Sinn. Die Sorge des Benedetti-Clans, dass ich das brisante Familiengeheimnis herausfand und es gegen sie benutzte, hatte mich fast das Leben gekostet. Eines, das durch eine zufällige Begegnung mit einem Verwandten aus der Parisi-Sippe und dem unbeabsichtigten Mithören eines Gespräches zwischen Cesare und dem Patron völlig aus dem Ruder gelaufen war.
Eine emotionale Achterbahn aus Liebe, Hass und unendlichem Begehren zu einem Mann, für den ich seit meiner Teenagerzeit schwärmte. Cesare Benedetti, ein Killer, der gnaden- und emotionslos einen Menschen tötete, sofern es sich die Anliegen der Familie sicher stellte. Bei mir hatte er gezögert, erlebte einen schwachen Moment, den er wohl regelmäßig bereute. Trotz der gefährlichen Stimmung gab es eine Anziehungskraft, der wir nicht nur einmal nachgaben. Der Sex mit ihm war nicht zärtlich, liebevoll, im Gegenteil es glich einer Bestrafung. Doch niemals zuvor erfuhr ich Lust, Verlangen und unzählige Orgasmen in dieser Intensität. Einer der Gründe, warum ich für ein halbes Jahr nach Kalabrien reiste. Ich brauchte Abstand. Eine überwältigende Natur, herzliche Menschen, denen ich allerorts begegnete. In der Zeit meines Aufenthalts auf den Spuren der Parisi Vorfahren zu wandeln, bot sich zusätzlich an. Doch die Ndrangheta überzog das Land mit ihren Machenschaften und jeder, der sich ihnen in den Weg stellte, starb. Ein mir durchaus bekanntes Muster. Hatte ich zunächst die Idee verfolgt, nach meinen direkten Ahnen zu forschen, verwarf ich den Plan blitzschnell, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Eine Parisi aus New Jersey, die in der Vergangenheit herumschnüffelte, eine Wiederholung brauchte ich davon nicht.
In der sonnenverwöhnten Region genoss ich die Auszeit, die ich so dringend benötigt hatte und dazu zur Festigung der italienischen Sprache diente. Lange Wanderungen führten mich zu rustikalen, ja fast altmodischen Dörfern. Eine schroffe Landschaft und steile Küsten, mit unendlich vielen Sandstränden, die keine Wünsche offenließen. Überraschend für mich das grandios milde Klima, das in der Zeit meines Aufenthalts von November bis März zu einer perfekten Auszeit beitrug. Es hätte alles so entspannt sein können, wenn da nicht schon wieder ein verficktes Aber sein Unwesen getrieben hätte.
Obwohl ich mir zig Möglichkeiten ausdachte, um Cesare aus dem Herzen zu verbannen, blieb er hartnäckig. Im Grunde hatte ich mir das selbst eingebrockt. Dämlich, einen Mann, von dem ich wusste, dass er mir niemals meinen Herzenswunsch erfüllen würde, um einen Abschiedsfick zu bitten. Der verdammte Kerl zeigte mir dabei ein völlig neues Gesicht. Eines, das ich besser nicht hätte kennenlernen dürfen. Genau genommen, stand ich emotional wieder am Anfang. Mit der heutigen Rückkehr schwor ich mir, alles daran zu setzen, ihm aus dem Weg zu gehen. Die lüsterne Bitch in mir lachte sich schlapp. Das allein betrachtete ich als einen Grund, es ihr zu beweisen. Schließlich gab es noch andere Männer und Sex konnte ich mir jederzeit gönnen. Dafür brauchte es keinen Macho, Killer und Arsch in einem.

6. Häppchen

Doch bei zwei mir ans Herz gewachsenen Menschen freute ich mich besonders auf ein Wiedersehen. Maria Gracia, Cesares Mutter und eine kämpferische Frau, seit über fünfunddreißig mit dem Oberhaupt des Benedetti-Clans verheiratet, für die ich innige Muttergefühle hegte. Wir hielten in den Monaten meiner Abwesenheit Kontakt und mir zu liebe ließ sich die bekannte Computerhasserin sogar in Skype einweisen.
Mittlerweile hatte ich mein gesamtes Gepäck, für das ich einen nicht unerheblichen Aufpreis zahlte, auf einen widerspenstigen Kofferwagen gehievt und balancierte mehr schlecht als recht zur Passkontrolle. Ein Prozedere, das einige Zeit in Anspruch nahm. Erschöpft stützte ich mich auf dem Rollwagen ab, als mein Handy den Eingang einer Textnachricht verkündete.
»Oh, wie schön«, murmelte ich, denn sie stammte von dem zweiten Menschen, den ich vermisst hatte. Olivia, die ich in Cesares Stripclub Dirty Dancing 2.0 auf kuriose Weise kennengelernt hatte. Vermutlich hätten wir uns aus den Augen verloren, da wir in völlig unterschiedlichen Welten lebten. Doch wenige Tage vor meiner Abreise entstand der Wunsch, mich persönlich von ihr zu verabschieden. Sie fiel vor Überraschung aus allen Wolken und vergoss sogar ein paar Tränchen der Rührung. Die Sympathie bestand auf beiden Seiten, also hielten wir Kontakt und es entwickelte sich eine Freundschaft über die Kontinente hinweg.
»Herzlich willkommen zu Hause!«, las ich leise vor und ein leichtes Kribbeln durchflutete mich.
Noch bevor ich antworten konnte, traf ich auf einen der strengen Wächter eines freien Amerikas.
Endlich stand ich in der Ankunftshalle. Der schwere Gepäckwagen stresste mich, da er nie die Richtung einschlug, die ich vorgab. Mit dem Berg an Koffern hatte ich vermutlich die Belastungsgrenze überschritten. Mein Balanceakt löste allerdings neugierige Blicke aus. Statt so dämlich zu grinsen, könntet ihr mir helfen. Ignorantes Pack.
Zunächst benötigte ich ein Großraumtaxi, um ins The Westin Hotel zu fahren. Aufgrund einer spektakulären Aktion verfügte ich über ausreichend finanzielle Mittel, um dort zu logieren, bis ich eine adäquate Wohnung fand.
»Giiiiuuuliiianaaaa!«, drang eine schrille Stimme zu mir durch und ich fuhr herum. »Wie geil, dass du wieder da bist.«
»Liv, oh mein Gott!« Wir fielen uns in die Arme. »Was machst du hier?«
»Dich abholen.« Verschämt wischte sie sich ein Tränchen weg. »Kein großes Empfangskomitee, aber immerhin.«
»Du bist so süß.« Ich freute mich wie eine Schneekönigin. »Die Überraschung ist dir wirklich gelungen.«
»Wie war der Flug?«
»Na ja, wie Langstreckenflüge so sind.« Dabei zog ich eine Grimasse. »Ich konnte etwas schlafen und das Entertainmentprogramm bot glücklicherweise genügend Auswahl.«
»Scheiße ist natürlich der Jetlag.« Sie schaute mich mitfühlend an.
»Der ist krass, ja.« Ich rollte die Augen. »So, ich muss mich um ein Lastentaxi kümmern, das meine Koffer unterbringen kann.« Liv kicherte. »Reise du mal als Modejunkey sechs Monate lang durch die Geschäfte von La Dolce Vita. Die Hälfte der Koffer habe ich vor Ort geholt.«
»Du brauchst kein Taxi.« Sie setzte ein geheimnisvolles Gesicht auf. »Du wirst nicht glauben, wer mir seinen Dodge geliehen hat.« Sie grinste und ich zuckte mit den Schultern. »Steve.«
Ungläubig zog ich die Stirn in Falten. »Der Steve?«
»Japp.«
»Was ist denn in ihn gefahren?« Insgeheim freute es mich jedoch, da wir zunächst nicht die besten Freunde gewesen waren. Mit Livs Hilfe manövrierte ich den Gepäckwagen zum Ausgang. »Da hat mein freundlicher Abschied seine Wirkung erzielt.«
Trotz der Wiedersehensfreude schaffte ich es nicht, ein Gähnen zu unterdrücken.
»Entschuldige mal, seit dem genialen Auftritt im DD lieben sie dich alle.« Bei der Erinnerung an die schräge Nacht hielten sich Belustigung und Scham die Waage. Hemmungslos, dank einer mittelschweren Überdosierung eines Aufputschmittels und Stimmungsaufhellers, rockte ich den Laden. »Du wirst ja rot.« Lachend boxte sie mir gegen den Arm.
»Bäh, so mutiert man unfreiwillig zur Attraktion eines Striplokals.« Wie sahen uns an und parallel umarmten wir uns ein weiteres Mal.
»Steht der Plan mit dem Hotel?«, hakte sie nach, als wir endlich das Fahrzeug in dem weitläufigen Parkhaus erreichten und die Gepäckstücke hinein wuchteten. »Hast du da Steine eingepackt?«
Ich reagierte mit einem breiten Grinsen und zuckte mit den Schultern. »Ja, das hat sich nicht geändert«, klärte ich sie auf. »Klamotten sind und bleiben meine Leidenschaft.«
»Wie bei neunzig Prozent aller Frauen«, ergänzte sie mit einem Augenzwinkern. »So, auf geht’s.« Sie startete den Motor. Dem Klang nach zu urteilen, verschluckte er pro Sekunde mehrere Liter Sprit.

Geschickt lenkte Liv das Ungetüm aus dem Parkhaus und als wir auf den Highway fuhren, war es urplötzlich da, das Gefühl von Heimat. Mit einem Seufzer lehnte ich mich in den Sitz zurück. »Deine Rückkehr feiern wir gebührend.« Dabei drehte sie das Radio lauter und wippte mit dem Oberkörper im Takt.
»Hast du frei?« Bei dieser Frage wurde mir unbeabsichtigt mulmig, da ich es unweigerlich mit Cesare in Verbindung brachte.
»Ja, klar. Das ist kein Problem.« Sie warf mir einen Blick zu und bemerkte direkt eine leichte Röte, die sich in meinem Gesicht ausgebreitete. »Cesare ist zurzeit nur selten da und er kümmert sich nicht um die Schichteinteilung.«
»Na dann ist es ja gut.« Eine gewisse Erleichterung stellte sich ein. Er musste nicht sofort erfahren, dass ich wieder in der Stadt war. Die Buschtrommeln, so die Vermutung, würden es ihm früh genug zutragen.